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. . . 1987 - 1990
Die Geschichte des MSV
Die sportliche Wende - Deutscher Amateurmeister - Abschied von Bernard Dietz
Deutscher Amateurmeister 1989

Im Mai 1963 standen sich der MSV und Hamborn 07 in der alten Oberliga West zum letzten mal in einem Meisterschaftsspiel gegenüber. In der Saison 1986/87 war es nach einer solch langen Zeit wieder soweit. Das erste Oberligaspiel der beiden Kontrahenten im Wedaustadion wurde durchaus zu einem Ereignis. 15.000 Zuschauer bildeten ein Bundesligakulisse. Auf MSV Seite stand ein Mann am Schaltpult der sportlichen Regie, der früher für lange Jahre in seinem Verein, in dem er groß wurde, als Vorstopper einen bei gegnerischen Mittelstürmern gefürchteten Namen hatte. Immer wenn dem Münchner "Bomber der Nation", Gerd Müller, die Frage nach seinem unbequemsten Gegner gestellt wurde, kam prompt die Antwort: "Detlev Pirsig."

Pirsig hatte sich in der "dritten Liga" schon längst einen Namen gemacht, war als Erfolgstrainer apostrophiert worden. Und MSV Präsident Dr. Gerhard Raab hatte aus seinem Fehler, Siegfried Melzig für die erste Zweitligasaison nach dem Abstieg zu verpflichten, gelernt. Die fachliche Kompetenz war ausschlaggebend für die Verpflichtung des Trainers Detlev Pirsig, der sich auskannte in der Oberliga wie kaum ein zweiter. Mit der Ära Pirsig wurde ein sportlicher Wendepunkt markiert. Im ersten Jahr deutscher Amateurmeister, in der zweiten Saison knapp verfehlter Aufstieg zurück in die zweite Liga, in der dritten der Sprung in den bezahlten Fußball - die Bilanz des einstigen "Eisenfußes" hatte beeindruckende Aussagekraft.

Präsident Dieter Fischdick (s. rechts) wäre auch mit Pirsig in die zweite Liga marschiert, wenn der Trainer nur gewollt hätte. Zwei Jahre nachdem Pirsig seine Arbeit beim MSV beendet hatte, feierte er mit dem FC Remscheid, und an seiner Seite sein treuer Gefährte Friedhelm Vos, den Aufstieg in die Zweitklassigkeit - ein Beweis mehr für seine Trainerqualitäten. "In Remscheid war es schwerer aufzusteigen", blickte Pirsig zurück. Als er in Duisburg antrat, formte er schnell eine schlagkräftige Mannschaft, die unter der Führung ihres Kapitäns Karl Rohr für drei Jahre in der Oberliga zu einem Favoriten Team wurde.
Präsident Dieter Fischdick (mitte)


War es Fahrlässigkeit, dass in der ersten Aufstiegsrunde 1988 die Gunst der Stunde nicht beim Schopf gefasst wurde ? Ein einziger Punkt hätte im Preußenstadion von Münster schon zum Aufstieg gereicht. Aber die 1:4 Niederlage ließ alle Träume zerplatzen. Hertha BSC musste der Vortritt gelassen werden.

Pirsig aber gab nicht auf. Ein Jahr später marschierten sein Mannschaft und er durch die zweite Qualifikation. Als feststand, dass der MSV wieder im bezahlten Fußball war, fuhren jubelnde Fans durch die City und veranstalteten ein Hupkonzert, als wäre der Verein gerade Deutscher Meister geworden. Zwei Jahre später ging im Wedaustadion noch ein ungleich größeres Aufstiegsspektakel über die Bühne. Der Bundesliga-Aufstieg versetzte eine ganze Stadt und ihre vielen Fußballfans in einen wahren Freudentaumel. Es gibt keinen Zweifel: Detlev Pirsig hatte in den drei Jahren seiner Tätigkeit mit dafür gesorgt, dass ein neues Fundament gelegt wurde. Sein Trainer Kollege und ehemaliger Mitspieler Willibert Kremer baute ein Haus darauf - ein Bundesligahaus. Etwas mehr als ein Jahrzehnt war es her, als Fußballlehrer Willibert Kremer mit Bayer Leverkusen den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Als er dann nach einem kurzen Gastspiel bei München 1860 in übernächster Funktion ende Oktober 1982 die damals in sportliche Nöte geratene Düsseldorfer Fortuna übernahm und sie vor dem Abstieg aus der Eliteliga bewahrte, hatte der heute um die 60jährige Kölner den zweitgrößten Erfolg seiner Trainerlaufbahn erreicht. Als Kremer zu Beginn der Saison 89/90 zu dem Verein zurückkehrte, in dem er als Spieler langjährig sein Profibrot verdiente, als Nachwuchstrainer mit dem Gewinn der deutschen A-Jugend Meisterschaft den ersten großen Triumph feierte, als Assistenzcoach unter Rudi Faßnacht weitere Erfahrungen sammelte und als dessen Nachfolger die erste Chefstelle antrat, wollte er beim MSV die Kette der "guten Taten" um ein Glied verlängern.

Kremer erinnert sich: "Freunde haben mich vor dem Himmelfahrtskommando MSV gewarnt. Ich habe es dennoch angetreten." Immerhin betreute er die Mannschaft des Liganeulings, und Aufsteigern wird gemeinhin nicht viel an sportlicher Substanz zugetraut, warum auch immer. Jedenfalls gingen Willibert Kremer und sein Assistent Gerd Merheim an die Zielsetzung heran, erst einmal den Klassenerhalt zu schaffen, um sich nach jahrelanger Abstinenz im bezahlten Fußball wieder zu stabilisieren.

Ferenc Schmidt (s. rechts), der schnelle Stürmer, wurde aus Wuppertal zurück zum MSV geholt, Franz-Josef Steinigers Heimweh nach Duisburg konnte durch einen Zweijahresvertrag erheblich gelindert werden, schließlich ab es vor Beginn des Zweitligaabenteuers noch zwei personelle "Knüller". Der eine war ein Volltreffer, der andere nicht. Als zunächst Günter Thiele vom Vorstand im Clubhaus an der Westender Straße begrüßt und als neuer Stürmer vorgestellt wurde, da hieß es allenthalben: der "Schädel" schafft das schon in der zweiten Liga.
Ferenc Schmidt, der schnelle Stürmer (Bildmitte)


Denkste! Nach anderthalb Jahren der allgemeinen Unzufriedenheit wechselte Thiele zu einem Verein in der ehemaligen DDR, zu Union Berlin. Die Ablösesumme in Höhe von 275.000 Mark an Borussia Mönchengladbach hatte sich nicht amortisiert, und unter dem finanzielle Strich des Thiele-Gastspiels stand Enttäuschung.

Der andere "Knüller" war Lothar Woelk (s. rechts), den sie beim VFL Bochum, warum auch immer, ausgemustert hatten. "Ich habe davon in der Zeitung gelesen und sofort Präsident Fischdick angerufen", erinnerte sich Willibert Kremer in der Gunst der Stunde, an einen der ganz erfahrenen Bundesligaprofis zu kommen - für wenig Geld (70.000 Mark) außerdem. Der schnelle Zugriff lohnte sich für beide Seiten.
Lothar Wölk in Action


Dass Willibert Kremer auf das Riesentalent Thomas Strunz nicht mehr bauen konnte, den Bayern München erfolgreich geködert hatte, war zu diesem Zeitpunkt schon klar. Sein Wechsel an die Isar, der später mit dem Sprung in die Nationalmannschaft gekoppelt war, hatte freilich eine positive Seite, die auf Dauer von Bedeutung war. Die Vereinskasse konnte das Geld aus dem Deal, den Präsident Dieter Fischdick und er noch amtierende Schatzmeister Lothar Niemeyer in einem Düsseldorfer Nobelhotel mit Bayern Manager Uli Hoeneß ausgehandelt hatte, nur allzu gut gebrauchen.

Dass der Oberligakapitän Karl Rohr sich vorrangig aus beruflichen Gründen verabschiedete, wurde allgemein bedauert. Rohr war ein Spielführer, wie ihn sich eine Mannschaft nur wünschen kann. Kremer wäre nicht Kremer, wenn er nicht vor allzu großen Erwartungen gewarnt hätte. Der immer schon, selbst zu erfolgreichen Zeiten, als zurückhaltender Mahner bekannte Trainer beschwörte bei seinem Saisonausblick die gute Teamarbeit seiner MSV Schützlinge: "Wenn alle konzentriert bei der Sache sind, können wir den Klassenerhalt schaffen." Platz zehn war für das Team des Neulings ein Erfolg. Die lange Siegesserie von 16 Spielen ohne Niederlage in einem erfolgreichen Herbst, das Vordringen ins Pokalviertelfinale, das freilich mit einer schlimmen Enttäuschung endete, als es eine 0:1 Niederlage gegen die Offenbacher Amateure gab, brachten als sportliche Ausbeute insgesamt viele positive Schlagzeilen.

Der Trainer wusste ein erfahrenes Team hinter sich. Die Oldtimer Ewald Lienen und Lothar Woelk, der routinierte Heribert Macherey, der unauffällige aber meist wirkungsvolle Verteidiger Toni Puszamszies, der mit vielen Treffern erfolgreiche Mittelfeldkicker Uwe Kober,
Torjäger Michael Tönnies (s. Foto unten), der im ersten Zweitligajahr freilich noch einige Probleme hatte, und Kapitän Patrick Notthoff (s. Foto unten) aus der jüngeren Garde - das waren die wesentlichen Korsettstangen.

Patrick Notthoff Gerd 'der Flieger' Heintze Michael Tönnies Michael Tönnies

Am 10. Mai'88 hatten die Duisburger Fußballfans nach einer Pause der
Abstinenz vom besseren Fußball endlich wieder einmal ein Großereignis.
Bernard Dietz, für die deutsche Nationalmannschaft 53mal im Einsatz
gewesen und damit der international profilierteste MSV-Repräsentant,
feierte in jener Arena seinen Abschied, in der er als unbedeutender
Stürmer aus Bockum-Hövel seine ersten fußballerischen Schritte machte
und später zum Star wurde.
25.000 Zuschauer füllten die Ränge, als Dietz seinen letzten Auftritt hatte.

Sein ehemaliger Mannschaftskollege Franz Beckenbauer, damals Teamchef der Nationalelf, hatte die Bitte des alten Gefährten nicht ausgeschlagenund war mit seinen Männern zum Abschiedsspiel gegen die DFB-Auswahlvon 1980 angetreten, die Europameister geworden war. - mit Bernard Dietz auf der linken Abwehrseite. Sie alle waren dabei, die alten Kameraden: Von Toni Schumacher im Tor über Hans-Peter Briegel bis hin zu Karl-Heinz Rummenigge. Und sogar Weltmeisterprominenz von 1954
schaute beim Abschiedsspiel zu: Fritz Walter, der legendäre Ehrenspielführer, mußte im VIP-Raum des Stadions eifrig Autogramme schreiben. Als Bernard Dietz seine letzte Ehrenrunde drehte, prasselte derBeifall der Fans auf ihn herab, für die er immer ein Liebling war.
 
Wenn von Spielern die Rede ist, die für den MSV auf der internationalen Bühne und im gleißenden Scheinwerferlicht am Ball waren, steht der kantige Westfale Dietz in der ersten Reihe. 

Franz Beckenbauer würdigte ihn als "feinen Kerl", der er immer gewesen sei - im Kampf auf Platz und im Wesen. Der Name Dietz stand während seiner insgesamt 17 Bundesligajahre als Synonym für Ehrlichkeit, Tapferkeit, Teamgeist, Kampfkraft und sportlichen Erfolg. Es gab niemals negative Schlagzeilen
über Bernard Dietz, der eine markante Persönlichkeit des Ballgeschäftes war und der heute immer noch als Trainer, wenn auch auf bescheidener Ebene, im Gespräch ist. (Jugendaufbautrainer beim VFL-Bochum) 
Über Jahre hinweg leistete der Westfale im Bundesligateam des MSV Besonderes. Monate für Monate zählte er Anfang der siebziger Jahre zu den herausragenden Spielern, die dem MSV ihren Stempel aufdrückten. Aber es dauerte schier endlos, bis er zu höheren Aufgaben berufen wurde.mSein erstes Länderspiel bestritt Dietz unter der Regie des Bundestrainers
Helmut Schön am 22. November 1974 in La Valetta beim mühevollen 1:0 Sieg über Gastgeber Malta. 52 weitere Begegnungen im schwarz-weißem Trikot folgten, und als Dietz die Kapitänsbinde der Nationalelf von Torhüter Sepp Maier übernahm, da war er spätestens "wer" im deutschen Fußball. 

Bernard Dietz und Fanz Beckenbauer (s.oben)

Für Dietz, den Mann mit der Geradeaus-Mentalität, galten immer jene Begriffe wie Vereinstreue und Solidarität. An diese Grenze war er 1982 gestoßen, als es galt, den aus der Bundesliga abgestiegenen MSV in Richtung Schalke zu verlassen. Auch wenn er im nur einige Kilometer entfernten Gelsenkirchener Parkstadion für immerhin fünf weitere Jahre seine zweite Fußballheimat gefunden hatte. In und um Duisburg blieb er stets in bester Erinnerung. Und deshalb gab es für ihn überhaupt keine Überlegung, zum Abschiedsspiel ins Wedaustadion zu bitten. Und an
jenen in aller Beziehung gelungenen Abend des 10. Mai '88 denkt Bernard Dietz noch manches Mal zurück. Dietz war jahrelanges Aushängeschild des MSV, dessen Namen findige Journalisten dazu benutzten, den Verein in MSV Dietzburg umzutaufen. Und er stand doch über denen, die auch den Sprung in die Nationalmannschaft schafften. Ob der Torhüter Manfred Manglitz, die Stürmer Rudi Seliger, Klaus Wunder oder Ronald Worm, die Verteidiger Michael Bella und Hartmut Heidemann, auch ein Mann wie "Eia" Krämer an den Beliebtheitsgrad des Bernard Dietz kam keiner von ihnen ganz
heran. Als die Entscheidung über den Bundesligaaufstieg 1991 eingeläutet wurde, als das letzte Spiel gegen Blau-Weiß 90 Berlin die letzten Zweifel an ihm beseitigen sollte, da war Bernard Dietz unter den 28.000 Zuschauern im Stadion.  Auch noch im Jahre später ist Bernard Dietz derjenige, der z.B. bei TV-Übertragungen aus dem Wedaustadion, den MSV präsentiert. 

Als der MSV 1989 wieder zweitklassig geworden war, knüpfte die Duisburger Mannschaft sogleich an frühere Pokalerfolge an. Im ersten Jahr der Zweitligazugehörigkeit schaffte das von Willibert Kremer sportlich geführte Team den Sprung ins Viertelfinale und machte sich am 13. März '90 daran, den Weg unter die letzten vier Teams zu schaffen. Und nach dem 1:1-Unentschieden nach Verlängerung am Bieberer Berg bei dem braven Hessen-Oberligisten von Kickers Offenbach stand beim dadurch fällig gewordenen Wiederholungsspiel im Wedaustadion die Tür dazu weit offen. Aber 25.000 Zuschauer kamen aus dem Entsetzen nicht heraus, nachdem Der Kickerspieler Haub das Offenbacher Führungstor erzielte - dabei blieb es. Der sportliche Teil der Geschichte wurde durch das Pokalregiement geschrieben - der K.o. war krasser Art. Und die bereits in Schubladen unterschriftsreif liegenden Werbeverträge für das ins Kalkül gezogene Halbfinale, das mit einem Live-Fernsehauftritt einhergegangen wäre, konnten zerrissen werden.

Dabei hatte es die Kremer-Mannschaft schon auf dem Bieberer Berg in der Hand, für klare Verhältnisse zu sorgen. Nach Uwe Kobers Führungstor bot sich tief in der zweiten Halbzeit Goalgetter Michael Tönnies die Gelegenheit zum zweiten Duisburger Treffer. Sein Schuß trudelte gegen den Pfosten des Offenbacher Tores und sprang von dort ins Feld zurück. 60 Sekunden vor dem Abpfiff schaffte der Kickerstürmer Kroninger in der Saison darauf ohne durchschlagenden Erfolg zum FC Schalke 04 gewechselt, per Kopfball noch den vielumjubelten Ausgleich, der aus MSV - Sicht so unnötig war wie ein Kropf.

Schon in der ersten Runde dieses Wettbewerbs hatte die Mannschaft für eine Sensation gesorgt. Der "große" Hamburger SV tat den Zweitligisten aus der Wedau als lästigen Pokalgegner ab, verließ für das Match sein Volksparkstadion und glaubte, am traditionsreichen Rothenbaum die Hürde mit "links" überspringen zu können. Aber die Duisburger erwiesen sich auf die Sekunde als topfit. Von Kapitän Patrick Notthoff, der sich auf der Busfahrt zum Stadion mit heißem Kaffee verbrühte, aber tapfer durchhielt, bis hin zum zweifachen Torschützen Ferenc Schmidt - der MSV bot in der Gesamtheit eine klasse Leistung und siegte 4:2. Dabei hätte der HSV eigentlich gewarnt sein müssen. In der letzten Duisburger Oberligasaison brachte das Los den MSV und die Hanseaten auch zusammen. Vor 20.000 Zuschauern im Wedaustadion entwickelte sich ein Pokal-"Krimi", den die Hamburger erst Nach Verlängerung mit 5:3 für sich entscheiden konnten.

In der Saison des Aufstiegs zurück in die Bundesliga schlug eine weitere große Stunde des Duisburger Pokalerfolges. Der MSV stieß ins Halbfinale vor. Ausschlaggebend dafür war in der Runde zuvor eine "Sternstunde" in der Krefelder Grotenburg-Kampfbahn. Unter den 20.000 Zuschauern befanden sich 16.000 Duisburger Fans, die in die Nachbarstadt gekommen waren und die folgenden 90 Minuten zu einem Heimspiel für den MSV machten. Es herrschte eine einmalige Atmosphäre, und einmalig war auch die Leistung des Kremer-Teams, das mit 4:1 gewann und sich für die Vorschlußrunde qualifizierte. Michael Tönnies sorgte mit seinem Treffer zum 1:0 für eine solide Grundlage, und Ewald Lienen war es, der den Schlußpunkt setzte.

Michael Tönnies (s. oben) nach seinem Treffer zum 1:0

So erwartete der MSV am 23. April '91 im Wedaustadion den 1.FC Köln. Wenige Stunden nach dem Beginn des Vorverkaufs war die Tribüne des Stadions bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Fans, die kein Ticket ergattern konnten, durften sich trösten - und sich vor den Fernseher setzen. Das Spiel wurde live im ZDF von Reporter Rolf Töpperwien übertragen, und es entwickelte sich zu einem wahren Knüller. Nach 90 Minuten hatte sich der MSV trotz optischer und spielerischer Überlegenheit immer noch nicht durchsetzen können. Michael Tönnies und Ferenc Schmidt, die beiden Stürmer von Format mußten ersetzt werden, sie waren verletzt. Aber das fiel, gemessen am Spielverlauf, nicht einmal negativ ins Gewicht. Der Pole Voitek Kaluzny rückte als Nobody in den Angriff auf und wirbelte zusammen mit Michael Struckmann, der notgedrungen "seine" Position als Manndecker aufgeben mußte, die Kölner Abwehr gehörig durcheinander.

31.000 Zuschauer im Stadion und Millionen Fußballfreunde an den Bildschirmen trauten ihren Augen
 nicht, als der mehr als wackere Duisburger Zweitligist sogar in der Verlängerung dominierte und die "großen" Kölner am Rande der Niederlage hatte. Von Nationalspieler Pierre Littbarski war nichts zu sehen, dafür glänzte beispielsweise der Ex-Münsteraner Dirk Bremser mit einer tollen Leistung. Das erlösende Tor und der Sprung ins Finale nach Berlin wollten jedoch nicht gelingen.

Das Halbfinale ging in den zweiten Akt. Im Müngersdorfer Stadion standen sich beim Wiederholungsspiel beide Mannschaften erneut gegenüber. Und diesmal, wenn auch mit einer Portion Glück, setzte sich der 1.FC Köln durch. Das vom Ergebnis her klar anmutende 3:0 freilich war keineswegs gerechter Ausdruck für eine abermals starke Leistung des MSV, der dem Gegner sogar nach einem 0:2 Rückstand noch mächtig zusetzte. Das Spiel machte im übrigen negative Schlagzeilen. Kölns Stürmer Frank Ordenewitz (Trainer Ruthemöllers berühmter Satz:" dann mach et Ozze .." ) provozierte einen Platzverweis, um für das Endspiel in Berlin spielberechtigt zu sein. Zuvor hatte er Duisburgs Oldtimer Lothar Woelk, daß schon nach 25 Minuten eine rote Karte gerechtfertigt gewesen wäre. Schiedsrichter Merk aus Kaiserslautern, ein Zahnarzt, hatte aber nichts gesehen und sein Linienrichter hatte nicht den Mut, das schlimme Foul anzuzeigen. Das Finale, der große Traum der Duisburger Spieler, war knapp verpaßt worden.

Patrik Notthoff (s. oben) beim Einlauf zum Pokalhalbfinale im Müngersdorfer Stadion
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