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Die Geschichte des MSV
Rückkehr in die 1. Bundesliga
Mannschaft der Saison 1990/91

Mit dem 26jährigen Kölner Abwehrspieler Andreas Gielchen und den um zwei Jahre jüngeren Freiburger Mittelfeldkicker Nils Schlotterbeck erhielt MSV-Trainer Willibert Kremer zwei von drei Wunschkandidaten für die neue Bundesligasaison nach dem Aufstieg in die Eliteklasse. Der dritte Mann im Bunde aller Trainerträume war Blau-Weiß-Torjäger Thomas Adler, aber der Berliner gab Bayer Uerdingen den Vorzug. Dafür schlug der MSV-Vorstand zu, als es galt den Schalker Angreifer Wladimir Ljuty zu verpflichten, der auf Leihbasis zunächst für ein Jahr zum MSV kam und von dem Willibert Kremer als "wichtige Alternative für die nahe Zukunft" sprach. Der vierfache Sowjetische Nationalspieler mit WM-Erfahrung wollte unbedingt im Westen bleiben, weil seine Kinder in Gelsenkirchen eingeschult wurden, und: "Ich wollte gern zum MSV." Damit war die Suche nach einem geeigneten Stürmer beendet. Der Hannoveraner Jochen Heisig hatte zuvor eine Absage erteilt. Begründung von Präsident Dieter Fischdick: "Er war auf der Wunschliste unserer Trainer hinter Adler nur die Nummer zwei, und wir sind nicht für Ersatzlösungen." Andere Namen von Kandidaten wurden mit der Verpflichtung Ljutys schnell gestrichen.

Erster Neuling im Duisburger Kader war der 25jährige Abwehrspieler Alfred Nijhuis (s. rechts) vom ASC Schöppingen, ein Mann für die Defensive, den Bernard Dietz als Schöppinger Trainer wärmstens empfohlen hatte. Der frühere MSV-Nationalspieler: "Der Alfred kann seinen Weg machen, er bringt viel Veranlagung und gute sportliche Einstellung mit." Von vornherein war für die personellen Planungen im Hinblick auf die neue Saison klar, dass die Mannschaft in jedem Mannschaftsteil eine Verstärkung erfahren sollte, nur Torhüter Heribert Macherey und sein Stellvertreter Ralf Kellermann waren davon ausgeklammert. Abwehrspieler Alfred Nijhuis


Dass sich Kellermann einer Knieoperation unterziehen musste, zu Saisonbeginn nicht zur Verfügung stand, und deshalb der Osnabrücker Wolfgang Kellner kurzfristig verpflichtet wurde, hat also einen besonderen Hintergrund.

Andreas Gielchen galt als vielfach verwendbarer Spieler im defensiven Bereich, der als Libero, Manndecker und im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden konnte. Kremer: "Er passt genau in unsere Mannschaft, vor allem auch menschlich." Als der Ex-Freiburger Nils Schlotterbeck der Duisburger Presse vorgestellt wurde, konnte Gielchen noch nicht mit von der Partie sein, weil er zum gleichen Zeitpunkt Training hatte. Immerhin blickte Fußball- Deutschland am Ende
der Saison 90/91 noch einmal gebannt nach Köln, wo die Meisterschaft mit dem Gastspiel des neuen Meisters aus Kaiserslautern entschieden wurde. Anschließend stand der Kölner am 22. Juni noch im Pokalfinale in Berlin gegen Werder Bremen, bekam gute Kritiken, konnte aber auch nicht die Elfmeter-Niederlage verhindern.

Für Nils Schlotterbeck sprach, dass der gebürtige Schwabe als offensiver Mittelfeldspieler 16 Treffer erzielte und damit hinreichend unter Beweis stellte, dass er torgefährlich ist. Der 24jährige spielte früher bei den Stuttgarter Kickers und war als C- und B-Jugendlicher beim VFB Stuttgart zu Hause. Bevor sein Wechsel zum MSV Wirklichkeit wurde, war Schlotterbeck noch bei Bayer Leverkusen im Gespräch, auch Fortuna Düsseldorf schien Interesse zu haben. Aber der neuer Bayer Trainer Reinhard Saftig entschied sich gegen Schlotterbeck. So war der Weg zum MSV frei. Der Kicker stellte während seiner ersten Pressekonferenz in Duisburg fest: "Ich glaube, der MSV besitzt eine gute Mannschaft, in der auch ich mich sportlich entwickeln kann." Nach der Verpflichtung der neuen Spieler erklärte Trainer Willibert Kremer: "Die Mannschaft wird erheblich verstärkt in die Bundesliga gehen. Und ich bin zuversichtlich, dass sie sich dort beachtlich schlagen kann." Das erste Jahr im Oberhaus sei zwar besonders schwer, aber: "Uns muss vor der Zukunft nicht bange sein." Sein Tipp: "Wir spielen von Platz zehn bis 14 mit."

Bundesliga-Saison 1991/1992:
Oben v. li. : Wladimir Lyuty, Michael Tarnat, Alfred Nijhuis, Joachim Hopp, Niels Schlotterbeck, Lothar Wölk, Kai Wellmann, Ewald Lienen, Raschid Azouzzi.
Mitte v. li. : Cotrainer Gerd Merkheim, Woijetk Kaluzny, Michael Tönnies, Patrick Notthoff, Toni Puszamszies, Michael Struckmann, Andreas Gielchen, Uwe Kober, Manfred Tebeck, Dirk Bremser, Dr. Igor Hagenbeck, Trainer Willibert Kremer.
Unten v. li. : Zeugwarte Gerd Kasten und Werner Ricken, Jörg Beyel, Gyula Hajszan, Ralf Kellermann, Achim Puszamszies, Heribert Macherey, Massimo Marotti, Franz-Josef Steininger, Frenec Schmidt, Masseur Heinz Hinkelmann.
Mannschaft der Saison 1991/92


Was sich im Vorfeld der ersten Bundesligasaison seit 1982 rund um den MSV abspielte, hatte geradezu sensationellen Charakter. Die Fans stürmten gewissermaßen die Geschäftsstelle, auf der die Angestellten harte Arbeit fast rund um die Uhr leisten mussten. Das Reizwort hieß Saisondauerkarte. Als dir Duisburger Tageszeitungen von der Eröffnung des Verkaufs von Jahresstickets berichteten, bildeten sich gleich am ersten Tag lange Schlangen an der Westender Straße. Es gab einen wahren Run auf die offenbar so heiß begehrten Karten. Bis in die Abendstunden wurden sie täglich verkauft, und unter dem Strich der Aktion stand ein neuer sensationeller Vereinsrekord. Nicht ohne Stolz verkündete Dieter Fischdick die neue Bestmarke: "Wir haben über 3500 verkauft." Zu Bundesligazeiten war der MSV auf 1476 als bestes Ergebnis gekommen.

Aber damit nicht genug. Als der MSV sein erstes Spiel gegen den VFB Stuttgart bestritten hatte und im Anschluss daran noch einmal den Verkauf von Dauerkarten anbot, überschlugen sich die erfreulichen Ereignisse erneut. Im neuen Fan-Shop gingen abermals die Tickets pausenlos über den Tresen, und die Kasse klingelte wieder. Über 4000 waren es unter dem Strich dieser Aktion, und Dieter Fischdick resümierte: "2000 waren für mich erst einmal ein großes Ziel, jetzt hat sich meine Erwartung mehr als erfüllt, unglaublich."

Die Mannschaft hatte sich unterdessen mit viel Fleiß und Einsatzbereitschaft auf die Saison vorbereitet, die am 2. August, an einem Freitag Abend, im Wedaustadion gegen den starken VFB Stuttgart beginnen sollte.

Der MSV erwartete an jenem 2. August, der zu einem denkwürdigen Datum wurde, die Stuttgarter zum ersten Bundesligaspiel nach neun Jahren. Die Stimmung im Stadion hätte besser kaum sein können. Über 25.000 Fans waren zur Premiere gekommen, und als Schiedsrichter Wolf-Dieter Wiesel exakt um 19:32 Uhr den ersten Pfiff ertönen ließ, war die neue Duisburger Bundesligazeitrechnung angebrochen.
. . . volles Haus im Jahre 1991


Es war ein buntes Bild im Stadion. Die vielen Fans, oft in Weiß und Blau gekleidet, bildeten einen farbenfrohen Rahmen. Die Erwartung war riesig. Die große Anhängerschaft übte schon vor dem Spiel die Schlachtgesänge, und das Lied, wonach sie "nie wieder in der zweiten Liga" dabei sein wollte, wurde zum Orkan. Zwei Stunden später zeigte sich VFB-Manager Dieter Hoeneß tief beeindruckt. "Das war eine tolle Atmosphäre, so macht Fußball einfach Spaß."

Die Stuttgarter mit ihrem Trainer Christoph Daum waren als Favoriten angetreten. Die Schwaben träumten zu Saisonbeginn von hohen Zielen, ein UEFA-Cup Platz sollte es zumindest sein, von der deutschen Meisterschaft wurde auch gesprochen. Heute weiß man, das sie recht behielten. Aber als die 90 Minuten vorbei waren, herrschte bei ihnen Enttäuschung vor. Der Duisburger Neuling hatte den Schwaben-"Express" gestoppt, hatte mit 1:0 im Premierespiel der 29. Bundesligasaison den ersten Sieg unter Dach und Fach gebracht und mit
Michael Tönnies (s. Foto unten) den ersten Torschützen des neuen Meisterschaftsjahres gestellt.

Zur Bestürzung der Stuttgarter hatte Schiedsrichter Wiesel in der 29. Minute, es war genau 20:01 Uhr an diesem 2. August, nach einem Foul des VFB-Weltmeisters Guido Buchwald an Michael Tönnies auf den Elfmeterpunkt gezeigt. Da half alles Lamentieren der Schwaben nichts, der Mann aus Ottbergen ließ sich naturgemäß nicht umstimmen. Der Torjäger vom Dienst aus der Zweitliga-Saison nahm Maß, schickte Torhüter Eike Immel in die falsche Ecke und den Ball ins gegnerische Netz. Ein Jubelsturm blies durch das Stadion.
Michael Tönnies


Alle Anstrengungen der Gäste vom Neckar fruchteten später nicht mehr. Die neu formierte MSV-Abwehr mit dem in der zweiten Halbzeit überragenden Torhüter Heribert Macherey, mit dem glänzend disponierten Libero Patrick Notthoff, dem erstaunlich selbstsicheren Alfred Nijhuis und dem sachlich spielenden Andreas Gielchen, ließ nichts mehr anbrennen. Der Ex-Schöppinger Nijhuis erwies sich ebenso wie der frühere Kölner Gielchen als Volltreffer, beide wurden im Verbund mit Notthoff und Macherey zu einem Defensivbollwerk, ab dem sich Fritz Walter und Co. die Zähne ausbissen.

Und im Mittelfeld rackerten die Oldtimer Ewald Lienen und Lothar Woelk, der einen Tag später den 37. Geburtstag feierte und somit das gleich Alter erreichte wie Lienen, der als ältester Bundesligaspieler in die Saison ging. Einer freilich überragte alle: Franz-Joseph Steiniger, der vor neun Jahren mit dem MSV aus der Bundesliga abgestiegen war, bis dahin 44 Erstligaspiele für den Verein bestritten hatte, erlebte eine erfolgreiche Auferstehung. Steiniger vorne, Steiniger hinten - "Pino" war überall. Aber insgesamt galt: Das Team als Einheit hatte eine großartige kämpferische Leistung geboten. Das sah sogar der unterlegene Christoph Daum so: "Toll, wie die Duisburger Mannschaft gefightet hat." Als Schiedsrichter Wiesel das erste Bundesligaspiel der neuen Saison abpfiff, herrschte unbeschreiblicher Jubel. Die ersten beiden Punkte und die Leistung der Mannschaft sorgten für allgemeine Zufriedenheit. Und die MSV-Spieler begaben sich auf die erste Bundesliga-Ehrenrunde.

Was jedoch wie fast unausweichlich folgen mußte . . .
Der MSV stieg am Ende der Saison gleich wieder ab in die 2. Bundesliga. Das alternde MSV-Team erreichte am Ende der Saison 1991/92 mit 30:46 Punkten und obwohl durch den Zusammenschlusses beider deutschen Staaten die Bundesliga auf 20 Vereine aufgestockt wurde, konnte der MSV mit Platz 19 die Klasse nicht halten.

In der darauffolgenden Saison 1992/93 erlangte der MSV einen hervorragenden 2. Tabellenplatz in der 2. Bundesliga und stieg mit Trainer Reiners erneut in die 1. Bundesliga auf. Neben dem MSV schaffte erstmals der SC Freiburg und der VFB Leipzig den

Aufstieg in die Erstklassigkeit. Reinders verließ den MSV, Ewald Lienen übernahm den Cheftrainerposten beim MSV. Am Ende der Saison 1993/94 erlangte der MSV unter Ewald Lienen den 9. Tabellenplatz der 1. Bundesliga. Zu diesem hervorragendem Tabellenplatz trugen unter anderem die auf Anraten von Lienen neu verpflichteten Spieler Peter Közle und Uwe Weidemann bei.

 
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