die
Anfänge |
1902 - 1929 |
1930-1951 |
Die
Stunde null beim Meidericher SV
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Stehend: Jakob Kubach, Karl Lauterbach;
Uzarski, Andres Fix, Josef Dehnen, Heinrich Graffmann, Gustav
Uhde, Wennemar Graffmann, Jean Martin, R.Berger, Rudolf
Teckemeier,Georg Spatz, A. Bärenfänger, J. Müller, Gerd
Thomas.
Kniend: Willi Botsch, Philipp Kapplinghaus, Philipp
Schloemer, Karl Bärenfänger, Fritz Buschmann, Karl Meißner, Hien
Schacky, Otto Busch, Willi Jonath.
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Hohenzollern-Konkurenz - Gottfried
Hinze gab Tipps - Aufstieg in die Zehnerliga - Karl Lebzelter erster
Trainer - Sieben Stunden und sieben Minuten gegen RWO.
Um die
Jahrhundertwende betrachtet die Gesellschaft sportliche Regsamkeiten
misstrauisch. Nicht selten fühlt sie sich von den Aktivitäten schockiert.
Die Jugend aber lässt sich in ihrem vitalen Drang nach Sport und Spiel
keineswegs verängstigt ins Abseits stellen. Aber sie hat es nicht leicht
sich durchzusetzen. Sie lädt sich manchen Ärger auf. Die Schulbehörden
sind mit solcherlei Freizeitbeschäftigung gar nicht einverstanden und der
häusliche Friede ist oft genug gestört. Auch die Mittel-Meidericher
Jugend, vor allem die Jungen der höheren Schule, nehmen derlei Widerstände
in Kauf. An den ersten nebelfeuchten Apriltagen des Jahres 1902 ziehen
Schüler der Meidericher und Duisburger höheren Schulen mit jungen Männern
des Meidericher Turnvereins von 1880 auf das Wiesengelände an der
Westender Straße.
Sie wollen dort einer Schleuderball- und
Schlagballmannschaft zeigen, was es mit dem weitgehend unbekannten
Fußballspiel auf sich hat. Anhänger und Gegner des neuartigen Spiels
frotzeln einander und sparen nicht mit gehässigen und abwertenden
Bemerkungen. Die Mittel-Meidericher Jugend aber findet Geschmack an dieser
Balltreterei. Die Treffen wiederholen sich. Etwa zur gleichen Zeit finden
sich eben dort auf der holprigen Wiese die Meidericher Jungen mit einer
Essener Gruppe zu einem Wettspiel ein. Plötzlich erscheint die Polizei und
beendet das harmlose Treiben. Den fußballspielenden Jungen in ihren langen
von Trägern gehaltenen Hosen bleibt nichts anderes übrig, als der Polizei
zu folgen und sich auf dem Revier vernehmen zu lassen. "Wäret ihr ein
ordnungsgemäß eingetragener Verein", knurrt der Polizeiinspektor, "ihr
hättet euch manchen Ärger ersparen können". Das mahnende Wort des
gestrengen Inspektors klingt den fußballbegeisterten Burschen immer wieder
in den Ohren. Es reift schließlich zu einer historischen Konsequenz: Noch
im April des Jahres 1902 gründen die "wilden Gesellen", wie man sie
verächtlich nennt, einen Klub, den sie Meidericher Spielverein nennen und
ordnungsgemäß registrieren lassen. Das ist die Geburtsstunde des heutigen
Bundesligisten.
Die 23 Gründer, darunter so Bekannte Meidericher
Namen wie Dislich, Graffmann und Schacky wählen Arthur Hanisch zum ersten,
Emil Saeger zum zweiten Vorsitzenden, Philipp Kapplinghaus zum ersten
Schriftführer, Johann Schales zum ersten Kassierer und Fritz Buschmann zum
ersten Spielführer. Ingenieur Heinrich Eifinger von der Firma Tigler,
einem Maschinenbauunternehmen, das in den 20er Jahren in die Demag
aufgeht, und Vater Otto Krampitz, Menage-Verwalter auf der Zeche Westende,
sind die ersten aufgeschlossenen älteren Persönlichkeiten, die sich der
Jugend annehmen und sie gegen das Vorurteil von Eltern und Lehrern
abschirmen, die insbesondere das Fußballspiel als "Lümmelei" und
"Narretei" abtun. Unter dem Schutz der Herren Eifinger und Krampitz ziehen
die Jungen befreiter hinaus auf die grüne Wiese, bewaffnet mit Holzstäben
und weißem Band als improvisiertem Torgehäuse. Das ist die Zeit der
Pioniere, die man heute gern mit ironischem Blinzeln in den Augen als jene
mit "schrägen Schultern" apostrophiert, weil sie die Tore erst aufs
Spielfeld tragen mussten, ehe der Ball rollen konnte.
Das
Wildspielen ist bald vorbei. Der Meidericher Spielverein beantragt die
Aufnahme in den Rheinisch-Westfälischen Spielverband, den Vorläufer des
heutigen Westdeutschen Fußball-Verbandes (WFV). Ab 28. September
1902 ist der Verein Verbandsmitglied. Die Voraussetzungen für einen
geordneten Spielbetrieb sind gegeben. Eine gesicherte Platzanlage mit
festen Toren aber ist unvorstellbarer Luxus. Vor Neugierigen schützen
weder Einzäunungen noch Barriere. Bei Spielen drängen die Zuschauer auf
das Feld und behindern oft genug einen reibungslosen Ablauf. Mancher
Eckball wird zum Anlas stürmischer Proteste der Gastmannschaften. Man muss
sich vor in Essen oder Duisburg tagenden Schiedsgerichten, denen die mit
Respekt betrachteten Essener Kalthoff und Spies wie Paul Erkelenz von den
Duisburger Preußen angehören, verantworten. Der geschickt argumentierende
MSV-Schriftführer, Jean Koopmann, rettet die Mannschaft aus manch heikler
Situation, die ihre sportlichen Erfolge bedroht, am Verhandlungstisch.
Schon 1905 stellt sich der erste bedeutende Erfolg ein. Die
Mannschaft steigt von der dritten in die zweite Klasse auf. Nur 2 Punkte
gibt sie an den Ortsrivalen Viktoria ab. In einer Fusion der beiden
Vereine sieht man eine Stärkung des Meidericher Fußballs. Die erhoffte
sportliche Leistungssteigerung stellt sich jedoch nicht ein. Immerhin
klettert die Mitgliederzahl auf 150, die Existenz des Meidericher
Spielvereins ist gesichert.
1907 übernimmt Franz Stahl die
Leitung des Vereins. Mit ihm und seinen Vorstandsfreunden Heinrich
Eifinger, Otto Krampitz und Albert Bärenfänger geht es zügig voran. Man
verfügt über eine spielstarke Elf. Ein neuer fester Umkleideraum auf dem
Platz hebt das Ansehen. Hinter der Mannschaft formiert sich eine
stattliche Gruppe von Schlachtenbummlern. Sie gibt ihr ein Gefühl der
Sicherheit, in dem Bewusstsein, nicht allein gelassen zu sein. Die
Kontakte zu anderen Klubs werden enger. Aktive und passive Mitglieder
wandern Sonntags über die Ruhr zum Grunewald. Dort hat der viel bewunderte
Duisburger Spielverein (DSV) sein Domizil. Er ist auch für die Meidericher
Vorbild. Der DSV-Vorsitzende, Gottfried Hinze, gleichzeitig Präsident des
noch jungen deutschen Fußballbundes (DFB), gibt den Meiderichern manchen
Tipp und spornt sie zu weiteren Leistungssteigerungen an. Er mahnt vor
allem die älteren Meidericher, fördernd zu wirken. Seine Appelle bleiben
nicht ungehört. Der Meidericher Spielverein hat sich unmittelbarer
Konkurrenz zu erwehren. Da ist der Klub "Rheinland", später
"Hohenzollern", schließlich als Sportvereinigung Meiderich 06 existierend.
Die Rivalen beargwöhnen und beneiden sich. Schon in jenen Tagen ist
Spielerziehung ein gefürchtetes Reizwort, das die Leidenschaften anheizt.
Neben Franz Stahl machen sich Jean Fix und Gerhard Thomas nach Gottfried
Hinzes Wunsch als Förderer verdient. Ein sportliches Ereignis stellt erste
Weichen für die weitere Entwicklung des Fußballs in Meiderich. Ein
Chronist nennt die Punktspiel-Begegnung des MSV mit "Hohenzollern" in der
Saison 1909/1 ein "kritisches Spiel" und meint damit wohl eine historische
Entscheidung über den weiteren Weg der beiden Klubs.
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| Der MSV bleibt mit 4:3 Sieger und sichert sich nicht zuletzt in der
Bürgerschaft einen wesentlichen Vertrauenskredit für die Zukunft. Der
greifbar nahe Aufstieg in die A-Klasse (s. Foto
rechts) wird 1909 in einem Entscheidungsspiel gegen den Essener
Turnerbund knapp verpasst. Den riesigen Meisterkranz, den der MSV-Vorstand
im sicheren Erfolgsgefühl der eigenen Mannschaft zugedacht hat, wird,
äußerlich neidlos, den Essenern übergeben. |
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Dass man sich nicht mehr täuschen kann als
im Fußball, reift beim MSV zu einer frühen Erkenntnis. Aber schon im
nächsten Jahr holen die Meidericher Versäumtes nach. Im letzten Spiel
dieser Runde bei Essen 99 verlassen bereits viele enttäuschte
Schlachtenbummler den Platz, als ihr MSV mit 2:0 hoffnungslos geschlagen
scheint. Sie erleben den großen Triumph nicht mehr hautnah. Die
Meidericher verwandeln den Rückstand noch binnen kurzer Zeit in einen
unglaublichen 5:2 Sieg für sich und steigen in die A-Klasse auf. Ein
weiteres Vordringen in die damals höchste Klasse, die so begehrte
Zehnerliga, die getrost als frühester Vorläufer der erst 40 Jahre später
als große Errungenschaft gefeierten Oberliga West zu betrachten ist, lässt
noch drei Jahre auf sich warten.
Immerhin klopfte der MSV schon in
der Fußballsteinzeit an die Pforten zum "Zehnerklub der Etablierten", dem
Duisburger Spielverein, Preußen Duisburg, Düsseldorf 99, FC
Mönchengladbach, Alemannia Aachen, Bonner FV, Köln 99, Kölner
Ballspiel-Club und ETB Schwarz-Weiß Essen angehören. Von Schalke 04,
Borussia Dortmund oder Fortuna Düsseldorf ist auf dieser Ebene noch nicht
die Rede. Als Neuling der A-Klasse ist der dritte Platz für den MSV ein
beachtenswerter Erfolg. Im darauffolgenden Jahr scheitern die Meidericher
an der nachbarlichen Konkurrenz des VfB Ruhrort, der sich mit einem 1:1 an
der Westender Straße den letzten Aufstiegspunkt holt und vor dem MSV in
die Zehnerliga einzieht.
Das schicksalsschwere Jahr 1914
mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges beschert den wegen ihrer schon
damals quergestreiften Trikots "Zebras" genannten Meiderichern den ersten
ganz großen Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte. Ohne Verlustpunkt
und mit dem imponierenden Torverhältnis von 113:12 erreicht der MSV die
höchste Klasse.
Auf dem Foto (s.
oben) aus dem Jahr 1914 zu erkennen: Waldemar Reppin, Cornelius
Gerling, Fritz Krämer, Hermann van Laak, Hubert Frings, Heinrich
Brüggemann, Walter Krampitz, Heinrich Wickum, Fritz Huisken, Peter
Schumacher, Gerhard Haferkamp.
Sie alle werden als die ersten
Meidericher Fußballstars gefeiert. Die Ereignisse des ersten Weltkrieges
aber drehen die Entwicklung auf null zurück. Der verlorene Krieg verändert
manche Vorstellungen und Lebensgewohnheiten der Menschen. Eines der
Merkmale: Turnen und Sport rücken näher zusammen. Man spürt die
Notwendigkeit gemeinsamen Handelns. Auch in Meiderich. Die Erinnerung,
dass Meidericher Bürger vor knapp zwei Jahrzehnten zum Turnverein von 1880
gehörten, ehe die Faszination des Fußballs die Wege trennte und 1902 zur
Gründung des Meidericher Spielvereins führte, lässt die Einsicht zur
Fusion der einstmals zerstrittenen Gruppen wachsen. Am 5. November 1919
mit der Meidericher Nachkriegsmannschaft wird der Zusammenschluss von
Turnern und Fußballern perfekt. "Meidericher Turn- und Spielverein von
1880" heißt das Gebilde, das auf die Kurzform "MTuS" gebracht wird. Mit
über 1000 Mitgliedern zählt der MTuS zu Duisburgs Großvereinen.
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Auf dem Foto (s. rechts)
der Nachkriegsmannschaft von 1919:
Frings, F.Brüggemann,
Haferkamp, H.Brüggemann, Schumacher, Himmelberg, Versteeg, Wickum,
Thielen, Gerling, Aßhoff. |
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Die unselige Scheuklappen-Politik der
Verbandsfunktionäre, die sicher aus ihrer Sicht idealen aber auch ebenso
wirklichkeitsfremden Geisteswelten nachrennen, bestehen schon wenige Jahre
später auf einer "reinlichen Trennung" von Turnern und Sport. So kommt es
auch in Meiderich zur Scheidung. Am 24. März 1924 bilden jene
Mitglieder, die sich zur deutschen Turnerschaft bekennen, wieder den
Meidericher Turnverein. Das Diktat der Verbandsfunktionäre vermag indessen
nicht zu verhindern, dass die beiden auseinanderdividierten Gruppen im
registergerichtlich eingetragenen "Verband Meidericher Turn- und
Spielverein von 1880" zur Nutzung der gemeinsam erstellten Anlagen an der
Westender Strasse zusammenarbeiten. Das Kapitel dieser Zusammenarbeit
endet nach dem zweiten Weltkrieg. Der Turnverein lebt nicht wieder auf.
Seine Vorkriegsmitglieder und einige jüngere Turnfreunde sammeln sich
immerhin bald nach dem Zusammenbruch des deutschen Reiches 1945 und
schließen sich als Turnabteilung dem Meidericher Spielverein an. Die
Meidericher Turnertradition ist also im MSV integriert, ohne sich im
Vereinsnamen wiederzufinden. Auch das Gründungsdatum von 1880 ist
gelöscht. Schon bald nach Ende des schrecklichen Völkermordens verfügt der
Meidericher Spielverein über sechs Fußballmannschaften. In der Saison
1920/21 gilt es mit der ersten Mannschaft den dritten Platz zu erreichen,
der zum Aufstieg in die neu zu bildende höchste Klasse berechtigt. Es
langt nur zu vierten Rang. Gleich das erste Treffen dieser Runde mit dem
Duisburger Spielverein, Duisburgs damaligem Fußballrepräsentanten
schlechthin, beschert einen enttäuschende 0:4 Niederlage, von der sich die
Meidericher lange Zeit nicht erholen.
Im folgenden Jahr
1921 entschließt sich der MSV zu einem revolutionären Schritt: Mit
Karl Lebzelter aus Stuttgart wird der erste Trainer der Vereinsgeschichte
verpflichtet. Ein Chronist jener Zeit über den Mann: "Er führte gar bald
ein strenges Regiment ein, formte die zahlreichen Talente zu einer
schlagkräftigen Einheit und lehrte sie Härte und Kondition. Denkwürdige
Ergebnisse kamen zustande. Das bedeutendste war die knappe 1:2 Niederlage
gegen den Wiener AF, eine der besten europäischen Mannschaften". In den
Punktspielen der nächsten Jahre musste der MSV mit dritten und vierten
Plätzen zufrieden sein. Die Meidericher stehen lange in dem ebenso
ehrenvollen wie bedauernswerten Ruf der "Ewig-Nachplazierten". Solch Image
ist farblos und daher undankbar. Der MSV schleppte diese bedrückende
Hypothek geduldig mit sich herum. Er weiß sich zwar akzeptiert und
beachtet, aber gefeiert wird er nicht. Das wurmt die Mitglieder, die
Anhänger, den Vorstand und natürlich - die Mannschaft. Endlich einmal aus
dem Schatten heraustreten, das ist sehnlichster Wunsch aller, die auf die
"Zebras" setzen.
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Auf dem Foto (s. rechts) der
Mannschaft 1921/22:
Gerling, Versteeg, Laschuit, Stork, Thomas,
Haferkamp, Biethan, Himmelberg, Aßhoff, Caspers, Krämer und der erste
Trainer der MSV-Geschichte, Karl Lebzelter.
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Das Jahr 1927 kündigt eine neue Ära
an. Nach der neuen Klasseneinteilung am Niederrhein in die Gruppen A und B
der Elite liegen Meidericher Spielverein und Duisburger Fußballverein 08
aus dem Stadtteil Hochfeld in ihrer Gruppe Kopf an Kopf. Preußen Krefeld,
Union Hamborn, Homberger Spielverein (der kleine HSV), Sportclub
Sterkrade, Ballspielverein 05 Beeck und VfB Bottrop haben mit dem Ausgang
des Rennens Nichts mehr zu tun. Es geht nur noch um MSV und Duisburg 08.
Im Wedaustadion erleben 15.000 Zuschauer die entscheidende
Auseinandersetzung. Erst kurz vor Spielende sichern sich die Hochfelder
den knappen 3:2 Sieg. Der MSV liefert eine ebenbürtige Partie, die für die
Zukunft hoffen lässt. Der Verein, geführt von Dr. Fritz Unterberg und
Gerhard Haferkamp, ist innerlich gefestigt. Das strahlt die erste
Fußballmannschaft aus. Die nächste Saison wird es zeigen.
Man
schreibt das Jahr 1929, das den großen Durchbruch der Meidericher
in das Feld der deutschen Elite bringen soll. Namen wie 1.FC Nürnberg, TSV
1860 München, Bayern München, Hamburger Sportverein, Spielvereinigung
Fürth, Hertha BSC Berlin oder Holstein Kiel verbreiten einen zauberhaften
Glanz. Ehe sich der MSV allerdings in deren Gesellschaft bewegen darf,
rinnt über die Gesichter seiner Spieler noch mancher Schweißtropfen,
getrieben von sportlicher Anstrengung, aber auch von Ängsten, das begehrte
Ziel erneut zu verpassen. Die Spielvereinigung Oberhausen, später als
Sportclub Rot-Weiß einer der großen im westdeutschen Fußball, ist
Finalgegner um die Niederrheinmeisterschaft, die in Hin- und Rückspiel
ausgetragen wird.
Im ersten Treffen an der Westender Straße in
Meiderich werden die Oberhausener mit 6:1 vom Platz gefegt, im zweiten
gibt es für die Meidericher bei strömendem Regen eine 1:0
Niederlage.
Nach dem Reglement ist eine dritte Begegnung
erforderlich. Im Hamborner Schwelgern-Stadion trennen sich die
Mannschaften torlos. Also kommt es zu einer vierten Auflage. Wieder steht
es nach Ablauf der regulären Spielzeit unentschieden, abermals muss
verlängert werden. Der Jubel beim MSV ist grenzenlos, als dem langen
Läufer Willi Lange per Kopfball der dritte Treffer und damit der 3:2 Sieg
gelingt. Das denkwürdige Fußball-Marathon, das die Fans noch viele Jahre
beschäftigte, hatte nach genau 427 Spielminuten ein für die Meidericher
glückliches Ende gefunden. Willi Lange und mancher seiner damaligen
Spielkameraden schwärmten noch lange Zeit auf ihren regelmäßigen
Kegelabenden von diesem Ereignis, das zu einer der nachhaltigsten im
niederrheinischen Fußball gehört.
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| Der Niederrheinmeister 1928/29 (s.
rechts) und Teilnehmer an der deutschen Meisterschaft Walter
Krämer, Graffmann I, Peter, Neumann, Schepermann, Schweer, Klein,
Spierling, Schmitz, Graffmann II, Lange |
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Westende,(s.
links) Zechenhalde als Tribüne
Das Acker- und Wiesengelände im Winkel der Westender-
und Dennewitzstraße um den Ratingsee ist vom ersten Tag
der Vereinsgründung an sportliche Heimat des Meidericher
Spielvereins. Grund und Boden pachtet er schließlich von
der Zeche Westende und richtet in Eigenarbeit einen Fußballplatz
her. Es ist eine einfache Anlage ohne Einbeziehung heute
selbstverständlicher Zuschauerränge. Die vom Platz
gegenüberliegende Zechenhalde von Westende entwickelt
sich von selbst zur "natürlichen"
Zuschauertribüne, die den Besucher von Spielen
vortreffliche Sitzmöglichkeiten bietet. |
Ein großzügiger Ausbau bahnt sich nach dem 1. Weltkrieg
an. Fusioniert mit dem Meidericher Turnverein von 1880,
gewinnen die Aktivitäten an Gewicht. Der Turnverein,
bereits vor dem Krieg mit Plänen einer eigenen
Platzanlage beschäftigt, sieht in dem Zusammenschluß
mit dem Spielverein eine besonders günstige Chance,
seinen alten Traum zu verwirklichen. Im Mai 1921 wird ein
Pachtvertrag mit den Landwirten zur Übernahme des 21
Morgen großen Geländes an der Westender Straße,
unmittelbar angrenzend an die Platzanlage des
Spielvereins, gepachtet. Die Ausbaukonzeption ist für
die damaligen Verhältnisse bemerkenswert. Vorgesehen
sind auf den nun insgesamt 25 Morgen umfassenden Gelände
ein großer Wettkampfplatz mit einem Fassungsvermögen für
30.000 Zuschauer, drei weitere Plätze für Fußball und
Hockey, acht Tennis und Turnplätze. Licht- und Luftbad
sind für später geplant. Im
Juli 1921 wird mit den Arbeiten begonnen. Zunächst wird
die Anlage mit einer Betonmauer umfriedet. Die Arbeiten
schreiten zügig voran. Bereits im darauffolgenden Jahr können
die Anlagen benutzt werden. Allerdings: Ehe es soweit ist,
bedarf es noch mancher Anstrengungen. Der Vorstand muß
sich um Geldspenden der Mitglieder und auch der
heimischen Wirtschaft bemühen. Und er hat seine liebe
Not, die Mitglieder zu eigenhändiger Arbeit anzuhalten.
Vorsitzender Heinrich Kirsch, der bisher die Geschicke
des Turnvereins geleitet hatte und nunmehr Chef des
Gesamtvereins ist, sieht sich auf der Vereinsversammlung
am 28. Juli 1928 veranlaßt, die Müden und Gleichgültigen
wachzurütteln. Zwischen ihm und seinen Vorstandskollegen
Jean Fix kommt es zu Meinungsverschiedenheiten über die
Finanzierung. Die Inflation galoppiert in
schwindelerregendem Tempo. Jean Fix, der
Tiefbauunternehmer, plädiert für die Erledigung der
finanziellen Verpflichtungen über Wechsel, der
vorsichtige Rechnungsdirektor der Stadt, Heinrich Kirsch,
will den soliden Weg, also keine Geschäfte mit Wechseln,
die ihm zu unsicher und unseriös erscheinen. Aber man
findet Kompromisse. Die Anlage ist bald Realität.
Die nächste bedeutende Etappe der Anlagen-Erweiterung
entwickelt sich 1973/74. Die Stadt übernimmt das Areal
als Bezirkssportanlage unter vornehmlichem Nutzungsrecht
des MSV, der seinerseits bereits die vorhandenen
Umkleideräume großzügig ausbaute und ein
sportmedizinisch vorbildliches Zentrum geschaffen hat.
Zur Verfügung stehen zwei Rasenplätze (einer davon mit
400 Meter-Laufbahn), zwei Tennisplätze, ein Hockeyplatz
(Rasen) und ein kleiner Übungsplatz. Das alte Klubhaus,
mittlerweile aufgegeben, soll nach dem neuesten
Erkenntnisstand völlig abgerissen und auf keinen Fall
wieder aufgebaut werden. Das ehemalige Klubhaus des
Meidericher Tischtennis-Clubs, inzwischen im Besitz des
MSV, ist zur Geschäftsstelle und behaglicher Klubgaststätte
um- und ausgebaut. Der "Jahrhundert-Transfer"
der Fußballspieler Klaus Wunder (zu Bayern München) und
Hannes Linssen (zu Fortuna Köln) bringt 1974 über eine
Million Mark in die MSV-Kasse und macht es dem Klub
leichter, das Vorhaben zu finanzieren.
Die Umsiedlung des Meidericher Tennisclubs 03 in dieses
Gelände wird das Angebot für Tennisinteressierte
erweitern. Eine Tennishalle ist vorgesehen. im Anschluß
an das benachbarte Theodor-Heuss-Gymnasium ist eine große
Sporthalle mit einem für alle anderen Sportler nutzbaren
Umkleidetrakt geplant. Das in das Areal einbezogene,
bereits vorhandene Hallenbad soll durch ein Freibad (schon
eine Idee des Meidericher Turnvereins) ergänzt werden.
Die Zukunft der Bezirkssportanlage, deren Kernstück die
MSV-Anlagen sind, verspricht die Entwicklung zu einem
Sportpark attraktiven Zuschnitts.
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die
Anfänge |
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1930-1951 |
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