backdie Anfänge 1902 - 1929 1930-1951weiter
 
Die Geschichte des MSV
Die Stunde null beim Meidericher SV
Stehend: Jakob Kubach, Karl Lauterbach; Uzarski, Andres Fix,
Josef Dehnen, Heinrich Graffmann, Gustav Uhde,
Wennemar Graffmann, Jean Martin, R.Berger,
Rudolf Teckemeier,Georg Spatz, A. Bärenfänger,
J. Müller, Gerd Thomas.

Kniend: Willi Botsch, Philipp Kapplinghaus,
Philipp Schloemer, Karl Bärenfänger, Fritz Buschmann,
Karl Meißner, Hien Schacky, Otto Busch, Willi Jonath.

Hohenzollern-Konkurenz - Gottfried Hinze gab Tipps - Aufstieg in die Zehnerliga -
Karl Lebzelter erster Trainer - Sieben Stunden und sieben Minuten gegen RWO.

Um die Jahrhundertwende betrachtet die Gesellschaft sportliche Regsamkeiten misstrauisch. Nicht selten fühlt sie sich von den Aktivitäten schockiert. Die Jugend aber lässt sich in ihrem vitalen Drang nach Sport und Spiel keineswegs verängstigt ins Abseits stellen. Aber sie hat es nicht leicht sich durchzusetzen. Sie lädt sich manchen Ärger auf. Die Schulbehörden sind mit solcherlei Freizeitbeschäftigung gar nicht einverstanden und der häusliche Friede ist oft genug gestört. Auch die Mittel-Meidericher Jugend, vor allem die Jungen der höheren Schule, nehmen derlei Widerstände in Kauf. An den ersten nebelfeuchten Apriltagen des Jahres 1902 ziehen Schüler der Meidericher und Duisburger höheren Schulen mit jungen Männern des Meidericher Turnvereins von 1880 auf das Wiesengelände an der Westender Straße.

Sie wollen dort einer Schleuderball- und Schlagballmannschaft zeigen, was es mit dem weitgehend unbekannten Fußballspiel auf sich hat. Anhänger und Gegner des neuartigen Spiels frotzeln einander und sparen nicht mit gehässigen und abwertenden Bemerkungen. Die Mittel-Meidericher Jugend aber findet Geschmack an dieser Balltreterei. Die Treffen wiederholen sich. Etwa zur gleichen Zeit finden sich eben dort auf der holprigen Wiese die Meidericher Jungen mit einer Essener Gruppe zu einem Wettspiel ein. Plötzlich erscheint die Polizei und beendet das harmlose Treiben. Den fußballspielenden Jungen in ihren langen von Trägern gehaltenen Hosen bleibt nichts anderes übrig, als der Polizei zu folgen und sich auf dem Revier vernehmen zu lassen. "Wäret ihr ein ordnungsgemäß eingetragener Verein", knurrt der Polizeiinspektor, "ihr hättet euch manchen Ärger ersparen können". Das mahnende Wort des gestrengen Inspektors klingt den fußballbegeisterten Burschen immer wieder in den Ohren. Es reift schließlich zu einer historischen Konsequenz: Noch im April des Jahres 1902 gründen die "wilden Gesellen", wie man sie verächtlich nennt, einen Klub, den sie Meidericher Spielverein nennen und ordnungsgemäß registrieren lassen. Das ist die Geburtsstunde des heutigen Bundesligisten.

Die 23 Gründer, darunter so Bekannte Meidericher Namen wie Dislich, Graffmann und Schacky wählen Arthur Hanisch zum ersten, Emil Saeger zum zweiten Vorsitzenden, Philipp Kapplinghaus zum ersten Schriftführer, Johann Schales zum ersten Kassierer und Fritz Buschmann zum ersten Spielführer. Ingenieur Heinrich Eifinger von der Firma Tigler, einem Maschinenbauunternehmen, das in den 20er Jahren in die Demag aufgeht, und Vater Otto Krampitz, Menage-Verwalter auf der Zeche Westende, sind die ersten aufgeschlossenen älteren Persönlichkeiten, die sich der Jugend annehmen und sie gegen das Vorurteil von Eltern und Lehrern abschirmen, die insbesondere das Fußballspiel als "Lümmelei" und "Narretei" abtun. Unter dem Schutz der Herren Eifinger und Krampitz ziehen die Jungen befreiter hinaus auf die grüne Wiese, bewaffnet mit Holzstäben und weißem Band als improvisiertem Torgehäuse. Das ist die Zeit der Pioniere, die man heute gern mit ironischem Blinzeln in den Augen als jene mit "schrägen Schultern" apostrophiert, weil sie die Tore erst aufs Spielfeld tragen mussten, ehe der Ball rollen konnte.

Das Wildspielen ist bald vorbei. Der Meidericher Spielverein beantragt die Aufnahme in den Rheinisch-Westfälischen Spielverband, den Vorläufer des heutigen Westdeutschen Fußball-Verbandes (WFV). Ab 28. September 1902 ist der Verein Verbandsmitglied. Die Voraussetzungen für einen geordneten Spielbetrieb sind gegeben. Eine gesicherte Platzanlage mit festen Toren aber ist unvorstellbarer Luxus. Vor Neugierigen schützen weder Einzäunungen noch Barriere. Bei Spielen drängen die Zuschauer auf das Feld und behindern oft genug einen reibungslosen Ablauf. Mancher Eckball wird zum Anlas stürmischer Proteste der Gastmannschaften. Man muss sich vor in Essen oder Duisburg tagenden Schiedsgerichten, denen die mit Respekt betrachteten Essener Kalthoff und Spies wie Paul Erkelenz von den Duisburger Preußen angehören, verantworten. Der geschickt argumentierende MSV-Schriftführer, Jean Koopmann, rettet die Mannschaft aus manch heikler Situation, die ihre sportlichen Erfolge bedroht, am Verhandlungstisch.

Schon 1905 stellt sich der erste bedeutende Erfolg ein. Die Mannschaft steigt von der dritten in die zweite Klasse auf. Nur 2 Punkte gibt sie an den Ortsrivalen Viktoria ab. In einer Fusion der beiden Vereine sieht man eine Stärkung des Meidericher Fußballs. Die erhoffte sportliche Leistungssteigerung stellt sich jedoch nicht ein. Immerhin klettert die Mitgliederzahl auf 150, die Existenz des Meidericher Spielvereins ist gesichert.

1907 übernimmt Franz Stahl die Leitung des Vereins. Mit ihm und seinen Vorstandsfreunden Heinrich Eifinger, Otto Krampitz und Albert Bärenfänger geht es zügig voran. Man verfügt über eine spielstarke Elf. Ein neuer fester Umkleideraum auf dem Platz hebt das Ansehen. Hinter der Mannschaft formiert sich eine stattliche Gruppe von Schlachtenbummlern. Sie gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit, in dem Bewusstsein, nicht allein gelassen zu sein. Die Kontakte zu anderen Klubs werden enger. Aktive und passive Mitglieder wandern Sonntags über die Ruhr zum Grunewald. Dort hat der viel bewunderte Duisburger Spielverein (DSV) sein Domizil. Er ist auch für die Meidericher Vorbild. Der DSV-Vorsitzende, Gottfried Hinze, gleichzeitig Präsident des noch jungen deutschen Fußballbundes (DFB), gibt den Meiderichern manchen Tipp und spornt sie zu weiteren Leistungssteigerungen an. Er mahnt vor allem die älteren Meidericher, fördernd zu wirken. Seine Appelle bleiben nicht ungehört. Der Meidericher Spielverein hat sich unmittelbarer Konkurrenz zu erwehren. Da ist der Klub "Rheinland", später "Hohenzollern", schließlich als Sportvereinigung Meiderich 06 existierend. Die Rivalen beargwöhnen und beneiden sich. Schon in jenen Tagen ist Spielerziehung ein gefürchtetes Reizwort, das die Leidenschaften anheizt. Neben Franz Stahl machen sich Jean Fix und Gerhard Thomas nach Gottfried Hinzes Wunsch als Förderer verdient. Ein sportliches Ereignis stellt erste Weichen für die weitere Entwicklung des Fußballs in Meiderich. Ein Chronist nennt die Punktspiel-Begegnung des MSV mit "Hohenzollern" in der Saison 1909/1 ein "kritisches Spiel" und meint damit wohl eine historische Entscheidung über den weiteren Weg der beiden Klubs.

Der MSV bleibt mit 4:3 Sieger und sichert sich nicht zuletzt in der Bürgerschaft einen wesentlichen Vertrauenskredit für die Zukunft. Der greifbar nahe Aufstieg in die A-Klasse (s. Foto rechts) wird 1909 in einem Entscheidungsspiel gegen den Essener Turnerbund knapp verpasst. Den riesigen Meisterkranz, den der MSV-Vorstand im sicheren Erfolgsgefühl der eigenen Mannschaft zugedacht hat, wird, äußerlich neidlos, den Essenern übergeben.

Dass man sich nicht mehr täuschen kann als im Fußball, reift beim MSV zu einer frühen Erkenntnis. Aber schon im nächsten Jahr holen die Meidericher Versäumtes nach. Im letzten Spiel dieser Runde bei Essen 99 verlassen bereits viele enttäuschte Schlachtenbummler den Platz, als ihr MSV mit 2:0 hoffnungslos geschlagen scheint. Sie erleben den großen Triumph nicht mehr hautnah. Die Meidericher verwandeln den Rückstand noch binnen kurzer Zeit in einen unglaublichen 5:2 Sieg für sich und steigen in die A-Klasse auf. Ein weiteres Vordringen in die damals höchste Klasse, die so begehrte Zehnerliga, die getrost als frühester Vorläufer der erst 40 Jahre später als große Errungenschaft gefeierten Oberliga West zu betrachten ist, lässt noch drei Jahre auf sich warten.

Immerhin klopfte der MSV schon in der Fußballsteinzeit an die Pforten zum "Zehnerklub der Etablierten", dem Duisburger Spielverein, Preußen Duisburg, Düsseldorf 99, FC Mönchengladbach, Alemannia Aachen, Bonner FV, Köln 99, Kölner Ballspiel-Club und ETB Schwarz-Weiß Essen angehören. Von Schalke 04, Borussia Dortmund oder Fortuna Düsseldorf ist auf dieser Ebene noch nicht die Rede. Als Neuling der A-Klasse ist der dritte Platz für den MSV ein beachtenswerter Erfolg. Im darauffolgenden Jahr scheitern die Meidericher an der nachbarlichen Konkurrenz des VfB Ruhrort, der sich mit einem 1:1 an der Westender Straße den letzten Aufstiegspunkt holt und vor dem MSV in die Zehnerliga einzieht.

Das schicksalsschwere Jahr 1914 mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges beschert den wegen ihrer schon damals quergestreiften Trikots "Zebras" genannten Meiderichern den ersten ganz großen Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte. Ohne Verlustpunkt und mit dem imponierenden Torverhältnis von 113:12 erreicht der MSV die höchste Klasse.

Auf dem Foto (s. oben) aus dem Jahr 1914 zu erkennen:
Waldemar Reppin, Cornelius Gerling, Fritz Krämer, Hermann van Laak, Hubert Frings, Heinrich Brüggemann, Walter Krampitz, Heinrich Wickum, Fritz Huisken, Peter Schumacher, Gerhard Haferkamp.

Sie alle werden als die ersten Meidericher Fußballstars gefeiert. Die Ereignisse des ersten Weltkrieges aber drehen die Entwicklung auf null zurück. Der verlorene Krieg verändert manche Vorstellungen und Lebensgewohnheiten der Menschen. Eines der Merkmale: Turnen und Sport rücken näher zusammen. Man spürt die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns. Auch in Meiderich. Die Erinnerung, dass Meidericher Bürger vor knapp zwei Jahrzehnten zum Turnverein von 1880 gehörten, ehe die Faszination des Fußballs die Wege trennte und 1902 zur Gründung des Meidericher Spielvereins führte, lässt die Einsicht zur Fusion der einstmals zerstrittenen Gruppen wachsen. Am 5. November 1919 mit der Meidericher Nachkriegsmannschaft wird der Zusammenschluss von Turnern und Fußballern perfekt. "Meidericher Turn- und Spielverein von 1880" heißt das Gebilde, das auf die Kurzform "MTuS" gebracht wird. Mit über 1000 Mitgliedern zählt der MTuS zu Duisburgs Großvereinen.

Auf dem Foto (s. rechts) der
Nachkriegsmannschaft von 1919:

Frings, F.Brüggemann, Haferkamp, H.Brüggemann, Schumacher, Himmelberg, Versteeg, Wickum, Thielen, Gerling, Aßhoff.
Nachkriegsmannschaft von 1919

Die unselige Scheuklappen-Politik der Verbandsfunktionäre, die sicher aus ihrer Sicht idealen aber auch ebenso wirklichkeitsfremden Geisteswelten nachrennen, bestehen schon wenige Jahre später auf einer "reinlichen Trennung" von Turnern und Sport. So kommt es auch in Meiderich zur Scheidung. Am 24. März 1924 bilden jene Mitglieder, die sich zur deutschen Turnerschaft bekennen, wieder den Meidericher Turnverein. Das Diktat der Verbandsfunktionäre vermag indessen nicht zu verhindern, dass die beiden auseinanderdividierten Gruppen im registergerichtlich eingetragenen "Verband Meidericher Turn- und Spielverein von 1880" zur Nutzung der gemeinsam erstellten Anlagen an der Westender Strasse zusammenarbeiten. Das Kapitel dieser Zusammenarbeit endet nach dem zweiten Weltkrieg. Der Turnverein lebt nicht wieder auf. Seine Vorkriegsmitglieder und einige jüngere Turnfreunde sammeln sich immerhin bald nach dem Zusammenbruch des deutschen Reiches 1945 und schließen sich als Turnabteilung dem Meidericher Spielverein an. Die Meidericher Turnertradition ist also im MSV integriert, ohne sich im Vereinsnamen wiederzufinden. Auch das Gründungsdatum von 1880 ist gelöscht. Schon bald nach Ende des schrecklichen Völkermordens verfügt der Meidericher Spielverein über sechs Fußballmannschaften. In der Saison 1920/21 gilt es mit der ersten Mannschaft den dritten Platz zu erreichen, der zum Aufstieg in die neu zu bildende höchste Klasse berechtigt. Es langt nur zu vierten Rang. Gleich das erste Treffen dieser Runde mit dem Duisburger Spielverein, Duisburgs damaligem Fußballrepräsentanten schlechthin, beschert einen enttäuschende 0:4 Niederlage, von der sich die Meidericher lange Zeit nicht erholen.

Im folgenden Jahr 1921 entschließt sich der MSV zu einem revolutionären Schritt: Mit Karl Lebzelter aus Stuttgart wird der erste Trainer der Vereinsgeschichte verpflichtet. Ein Chronist jener Zeit über den Mann: "Er führte gar bald ein strenges Regiment ein, formte die zahlreichen Talente zu einer schlagkräftigen Einheit und lehrte sie Härte und Kondition. Denkwürdige Ergebnisse kamen zustande. Das bedeutendste war die knappe 1:2 Niederlage gegen den Wiener AF, eine der besten europäischen Mannschaften". In den Punktspielen der nächsten Jahre musste der MSV mit dritten und vierten Plätzen zufrieden sein. Die Meidericher stehen lange in dem ebenso ehrenvollen wie bedauernswerten Ruf der "Ewig-Nachplazierten". Solch Image ist farblos und daher undankbar. Der MSV schleppte diese bedrückende Hypothek geduldig mit sich herum. Er weiß sich zwar akzeptiert und beachtet, aber gefeiert wird er nicht. Das wurmt die Mitglieder, die Anhänger, den Vorstand und natürlich - die Mannschaft. Endlich einmal aus dem Schatten heraustreten, das ist sehnlichster Wunsch aller, die auf die "Zebras" setzen.

Auf dem Foto (s. rechts)
der Mannschaft 1921/22:

Gerling, Versteeg, Laschuit, Stork, Thomas, Haferkamp, Biethan, Himmelberg, Aßhoff, Caspers, Krämer und der erste Trainer der MSV-Geschichte, Karl Lebzelter.
Die Mannschaft von 1921/1922

Das Jahr 1927 kündigt eine neue Ära an. Nach der neuen Klasseneinteilung am Niederrhein in die Gruppen A und B der Elite liegen Meidericher Spielverein und Duisburger Fußballverein 08 aus dem Stadtteil Hochfeld in ihrer Gruppe Kopf an Kopf. Preußen Krefeld, Union Hamborn, Homberger Spielverein (der kleine HSV), Sportclub Sterkrade, Ballspielverein 05 Beeck und VfB Bottrop haben mit dem Ausgang des Rennens Nichts mehr zu tun. Es geht nur noch um MSV und Duisburg 08. Im Wedaustadion erleben 15.000 Zuschauer die entscheidende Auseinandersetzung. Erst kurz vor Spielende sichern sich die Hochfelder den knappen 3:2 Sieg. Der MSV liefert eine ebenbürtige Partie, die für die Zukunft hoffen lässt. Der Verein, geführt von Dr. Fritz Unterberg und Gerhard Haferkamp, ist innerlich gefestigt. Das strahlt die erste Fußballmannschaft aus. Die nächste Saison wird es zeigen.

Man schreibt das Jahr 1929, das den großen Durchbruch der Meidericher in das Feld der deutschen Elite bringen soll. Namen wie 1.FC Nürnberg, TSV 1860 München, Bayern München, Hamburger Sportverein, Spielvereinigung Fürth, Hertha BSC Berlin oder Holstein Kiel verbreiten einen zauberhaften Glanz. Ehe sich der MSV allerdings in deren Gesellschaft bewegen darf, rinnt über die Gesichter seiner Spieler noch mancher Schweißtropfen, getrieben von sportlicher Anstrengung, aber auch von Ängsten, das begehrte Ziel erneut zu verpassen. Die Spielvereinigung Oberhausen, später als Sportclub Rot-Weiß einer der großen im westdeutschen Fußball, ist Finalgegner um die Niederrheinmeisterschaft, die in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird.

Im ersten Treffen an der Westender Straße in Meiderich werden die Oberhausener mit 6:1 vom Platz gefegt, im zweiten gibt es für die Meidericher bei strömendem Regen eine 1:0 Niederlage.

Nach dem Reglement ist eine dritte Begegnung erforderlich. Im Hamborner Schwelgern-Stadion trennen sich die Mannschaften torlos. Also kommt es zu einer vierten Auflage. Wieder steht es nach Ablauf der regulären Spielzeit unentschieden, abermals muss verlängert werden. Der Jubel beim MSV ist grenzenlos, als dem langen Läufer Willi Lange per Kopfball der dritte Treffer und damit der 3:2 Sieg gelingt. Das denkwürdige Fußball-Marathon, das die Fans noch viele Jahre beschäftigte, hatte nach genau 427 Spielminuten ein für die Meidericher glückliches Ende gefunden. Willi Lange und mancher seiner damaligen Spielkameraden schwärmten noch lange Zeit auf ihren regelmäßigen Kegelabenden von diesem Ereignis, das zu einer der nachhaltigsten im niederrheinischen Fußball gehört.

Der Niederrheinmeister 1928/29 (s. rechts) und Teilnehmer an der deutschen Meisterschaft Walter Krämer, Graffmann I, Peter, Neumann, Schepermann, Schweer, Klein, Spierling, Schmitz, Graffmann II, Lange Die Mannschaft von 1921/1922

Westende,(s. links) Zechenhalde als Tribüne
Das Acker- und Wiesengelände im Winkel der Westender- und Dennewitzstraße um den Ratingsee ist vom ersten Tag der Vereinsgründung an sportliche Heimat des Meidericher Spielvereins. Grund und Boden pachtet er schließlich von der Zeche Westende und richtet in Eigenarbeit einen Fußballplatz her. Es ist eine einfache Anlage ohne Einbeziehung heute selbstverständlicher Zuschauerränge. Die vom Platz gegenüberliegende Zechenhalde von Westende entwickelt sich von selbst zur "natürlichen" Zuschauertribüne, die den Besucher von Spielen vortreffliche Sitzmöglichkeiten bietet.

Ein großzügiger Ausbau bahnt sich nach dem 1. Weltkrieg an. Fusioniert mit dem Meidericher Turnverein von 1880, gewinnen die Aktivitäten an Gewicht. Der Turnverein, bereits vor dem Krieg mit Plänen einer eigenen Platzanlage beschäftigt, sieht in dem Zusammenschluß mit dem Spielverein eine besonders günstige Chance, seinen alten Traum zu verwirklichen. Im Mai 1921 wird ein Pachtvertrag mit den Landwirten zur Übernahme des 21 Morgen großen Geländes an der Westender Straße, unmittelbar angrenzend an die Platzanlage des Spielvereins, gepachtet. Die Ausbaukonzeption ist für die damaligen Verhältnisse bemerkenswert. Vorgesehen sind auf den nun insgesamt 25 Morgen umfassenden Gelände ein großer Wettkampfplatz mit einem Fassungsvermögen für 30.000 Zuschauer, drei weitere Plätze für Fußball und Hockey, acht Tennis und Turnplätze. Licht- und Luftbad sind für später geplant.

Im Juli 1921 wird mit den Arbeiten begonnen. Zunächst wird die Anlage mit einer Betonmauer umfriedet. Die Arbeiten schreiten zügig voran. Bereits im darauffolgenden Jahr können die Anlagen benutzt werden. Allerdings: Ehe es soweit ist, bedarf es noch mancher Anstrengungen. Der Vorstand muß sich um Geldspenden der Mitglieder und auch der heimischen Wirtschaft bemühen. Und er hat seine liebe Not, die Mitglieder zu eigenhändiger Arbeit anzuhalten. Vorsitzender Heinrich Kirsch, der bisher die Geschicke des Turnvereins geleitet hatte und nunmehr Chef des Gesamtvereins ist, sieht sich auf der Vereinsversammlung am 28. Juli 1928 veranlaßt, die Müden und Gleichgültigen wachzurütteln. Zwischen ihm und seinen Vorstandskollegen Jean Fix kommt es zu Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung. Die Inflation galoppiert in schwindelerregendem Tempo. Jean Fix, der Tiefbauunternehmer, plädiert für die Erledigung der finanziellen Verpflichtungen über Wechsel, der vorsichtige Rechnungsdirektor der Stadt, Heinrich Kirsch, will den soliden Weg, also keine Geschäfte mit Wechseln, die ihm zu unsicher und unseriös erscheinen. Aber man findet Kompromisse. Die Anlage ist bald Realität.

Die nächste bedeutende Etappe der Anlagen-Erweiterung entwickelt sich 1973/74. Die Stadt übernimmt das Areal als Bezirkssportanlage unter vornehmlichem Nutzungsrecht des MSV, der seinerseits bereits die vorhandenen Umkleideräume großzügig ausbaute und ein sportmedizinisch vorbildliches Zentrum geschaffen hat. Zur Verfügung stehen zwei Rasenplätze (einer davon mit 400 Meter-Laufbahn), zwei Tennisplätze, ein Hockeyplatz (Rasen) und ein kleiner Übungsplatz. Das alte Klubhaus, mittlerweile aufgegeben, soll nach dem neuesten Erkenntnisstand völlig abgerissen und auf keinen Fall wieder aufgebaut werden. Das ehemalige Klubhaus des Meidericher Tischtennis-Clubs, inzwischen im Besitz des MSV, ist zur Geschäftsstelle und behaglicher Klubgaststätte um- und ausgebaut. Der "Jahrhundert-Transfer" der Fußballspieler Klaus Wunder (zu Bayern München) und Hannes Linssen (zu Fortuna Köln) bringt 1974 über eine Million Mark in die MSV-Kasse und macht es dem Klub leichter, das Vorhaben zu finanzieren.

Die Umsiedlung des Meidericher Tennisclubs 03 in dieses Gelände wird das Angebot für Tennisinteressierte erweitern. Eine Tennishalle ist vorgesehen. im Anschluß an das benachbarte Theodor-Heuss-Gymnasium ist eine große Sporthalle mit einem für alle anderen Sportler nutzbaren Umkleidetrakt geplant. Das in das Areal einbezogene, bereits vorhandene Hallenbad soll durch ein Freibad (schon eine Idee des Meidericher Turnvereins) ergänzt werden. Die Zukunft der Bezirkssportanlage, deren Kernstück die MSV-Anlagen sind, verspricht die Entwicklung zu einem Sportpark attraktiven Zuschnitts.

 
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