1930-1951 |
1952 - 1963 |
1963-1966 |
Erster
Abstieg der Klubgeschichte
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Spielszene - Oberligaaufstieg 1955/1956
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Bitterste Stunden - Ironische
Fratze an der Zeche Mont Cenis - Der Fall Rappenberg - Verjüngungskur
unter Lindemann - Elmar Rösch als Retter - Redseliger Schiedsrichter -
Bundesliga am Horizont - Schatten über der MSV-Zukunft - Kein Geld für
Spielerkäufe - Vertrauen zum eigenen Nachwuchs - Wichtiges 1:0 in Dortmund
- Trainervertrag auf der Speisekarte - Sieg über Hamborn 07. Den ersten Abstieg seiner
Vereinsgeschichte 1955 begleiten indes kuriose Umstände. 26:34
Punkte reichen nicht für den Klassenerhalt. Das schlechtere Torverhältnis
entscheidet gegen den MSV. Der letzte Spieltag trägt geradezu
tragikomische Züge. Regisseur Zufall hatte seine Hand im Spiel. Auf dem
Final-Programm steht das Städte-Derby Duisburg (mit Meidericher und
Duisburger Spielverein) gegen Herne (mit Westfalia und SV Sodingen). MSV,
Westfalia und Sodingen wandeln auf dem schmalen Grat zwischen
Klassenerhalt und Abstieg. Auch die Partie am Essener Uhlenkrug zwischen
ETB Schwarz-Weiß Essen und Borussia Mönchengladbach liegt auf der gleichen
Ebene. Beide können ebenfalls zweitklassig werden. Dieser letzte Spieltag
muss die Frage nach dem zweiten Absteiger (das Schicksal des VfL Bochum
ist bereits besiegelt) beantworten: Borussia Mönchengladbach, ETB
Schwarz-Weiß Essen, Westfalia Herne oder Meidericher Spielverein.
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Der MSV
verliert in Sodingen 2:0, Schwarz-Weiß Essen entledigt sich mit dem
gleichen, aber siegreichen Ergebnis gegen Mönchengladbach aller Sorgen und
Westfalia Herne sichert sich überraschend beide Punkte mit einem 3:2 über
den Duisburger Spielverein im Wedaustadion. Den Meiderichern aber zeigt
das Schicksal in der bisher bittersten Stunde ihrer Vereinsgeschichte auch
noch eine ironische Fratze. Die Niederlage in Sodingen scheint mit der
Erleichterung versüßt zu werden, die Oberliga doch erhalten zu haben. An
der Ergebnistafel des Stadions an der Zeche Mont Cenis erscheint der
Duisburger Spielverein als 3:2 Sieger über Westfalia Herne. Die
Meidericher brechen in Jubel aus, um Minuten später von tiefster
Resignation gequält zu werden: Das Ergebnis an der Anzeigetafel wird in
einen Herner 3:2 Sieg korrigiert. Das bedeutet Abstieg für den MSV.
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Ärger und Verdruß bereitet in dieser Saison der "Fall Rappenberg",
der in die Fußballgeschichte eingeht als eines der tollsten Possenspiele,
die es je gab. Er beschäftigt die Instanzen des Westdeutschen
Fußball-Verbandes (WFV) über Monate und sogar den Deutschen Fußballbund
(DFB). Die Presse berichtet und beleuchtet die Vorfälle aus allen
Blickwinkeln. Im Zentrum der instanzlichen Auseinandersetzung stehen
Meidericher Spielverein, ETB Schwarz-Weiß Essen und Westfalia Herne. Die
Verbandsgremien befehden sich untereinander mit Einsprüchen, Berufungen
und Widerrufen. Allein die Meidericher werden schließlich Opfer eines
Grabenkrieges im unübersichtlichen Dschungel von Paragraphen,
Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung von Statuten und mancherlei
Verdrehungen von Tatbeständen. Die Hinterlassenschaft eines Wustes von
Schriftsätzen und zahlreicher Verhandlungen von Rechtsgremien mit
Zustimmung oder Ablehnung allerhöchster Verbandsfunktionäre ist ein
Tohuwabohu, das ein Bochumer Delegierter auf dem WFV-Verbandstag in der
Wedau-Sportschule die "größte Blamage des westdeutschen Fußballs" nennt.
Das Verbandsgericht als oberste Rechtsinstanz im WFV verweist ein
Urteil der Verbandsspruchkammer an diese zurück, die jedoch nach erneuter
Verhandlung zu ihrer ersten Entscheidung steht. Berufungen von allen
Seiten, auch des Verbandsvorstandes, entwirren die Situation nicht. Der
Deutsche Fußball-Bund wird angerufen. Dem aber scheint das Eisen zu heiß
und vertröstet, vertagt, verschiebt. Die zusammengetragenen Scherben
lassen sich nicht kitten. Der WFV-Vorstand bekennt offen seine Ohnmacht,
"weil es keinen Ausweg gibt".
Als reine Substanz des "Falles
Rappenberg" blieb dies: Westfalia Herne löste den Vertrag mit Gerd
Rappenberg, dem im Oktober 1954 wegen Schiedsrichterbeleidigung und
Tätlichkeit des Platzes Verwiesenen, beantragt für ihn im Februar
1955 eine neue Lizenz und erhielt sie auch Anfang März, allerdings
erst nach dem 2:2 Spiel Hernes (mit dem nichtspielberechtigten Rappenberg)
gegen die Meidericher. Der MSV protestierte zunächst erfolgreich gegen die
Wertung und bekam beide Punkte zugesprochen, die den Klassenerhalt
bedeutet hätten. Dieser Spruch wurde jedoch annulliert. Die spätere
Absicht, Herne alle mit Rappenberg gewonnenen Spiele wiederholen zu
lassen, verwarfen die Verbandsinstanzen ebenfalls wieder. Die Zeit rann
dahin, die neue Saison begann. Mit dem MSV - aber in der zweiten Liga.
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Hans Kempken gibt nach sechsjähriger Tätigkeit, die mit dem
Aufstieg (s. rechts) in die Oberliga
1951 und Erfolgen in den nächsten Jahren Höhepunkte auswies, 1955, in
einem Jahr tiefer sportlicher Erniedrigung, den Vorsitz an den Architekten
Wilhelm Henkel ab. Trainernachfolger von Radoslav Momirski wird Hermann
Lindemann, der von Alemannia Aachen an die Westender Straße kommt. Mit ihm
arbeitet Eberhard Graffmann, der großartige Spieler der Meistermannschaft
Ende der 20er Jahre und Vereinsvorsitzende von 1947 bis 1949, als
Vertragsspielerobmann zusammen. Graffmann und Lindemann erweisen sich als
ein harmonisches Gespann im Sinne einer fundierten Leistungsentwicklung.
Hermann Lindemann, ein Trainerfuchs und mit allen Wassern gewaschen, packt
seine Arbeit hoffnungsvoll an, aber er hütet sich vor voreiligen Prognosen
hinsichtlich eines Wiederaufstiegs "auf Anhieb".
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Er lässt sich keine Garantien
abhandeln. Die Zielstrebigkeit seiner Maßnahmen wird jedoch mit einem
erneuten Aufstieg zur Oberliga gleich im ersten Jahr seiner Tätigkeit
belohnt. Am letzten Spieltag der Saison reicht dem MSV ein 1:1 am
Erkenschwicker Stimberg. Neben dem VfL Bochum steigen die Meidericher als
Tabellenzweiter mit 43:17 Punkten, allerdings nur mit dem besseren
Torverhältnis vor dem in jenen Tagen als dem "ewigen Zweiten"
abgestempelten VFB Bottrop, auf. Eine Flut von Glückwunsch-Telegrammen
fast aller Vertragsspieler-Vereine, einschließlich der vom Pech so
verfolgten Bottroper, verrät die Sympathien, die der MSV im westdeutschen
Fußball genießt, und das vielleicht gerade wegen des vor einem Jahr unter
so widrigen Umständen erzwungenen Abstiegs. Viel Schmunzeln löst der
Glückwunsch eines Frankfurter MSV-Fans aus, der Mannschaft und Betreuern
neben Worten der Bewunderung zwanzig Schlipse als Präsente übersendet. Die
technisch brillanten Meidericher gelten eben als Bereicherung der höchsten
Klasse. Damals ahnten Eberhard Graffmann und Hermann Lindemann nicht, dass
sie mit ihrem "Wiederaufstieg auf Anhieb" Voraussetzungen schaffen halfen,
ohne die 1963 die Aufnahme in die Bundesliga wahrscheinlich nicht
stattgefunden hätte. Den Meiderichern hätten die Zähler in der
berühmt-berüchtigten Punktetabelle, die der Deutsche Fußball-Bund zur
"Vermessung" der künftigen Bundesligisten anlegte, wohl gefehlt. So
einfach, wie sich das liest, war der Weg durch die zweite Liga nicht. Nach
fünf Spieltagen finden sich die Meidericher mit 4:6 Punkten, wie sich
Hermann Lindemann später erinnerte, in einer unerwartet schwachen
Position. |

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Der Trainer sieht sein und seiner Mannschaft Heil in
einem Umbau der Elf. Er und Eberhard Graffmann entschließen sich zu einer
Verjüngung. Lindemann bittet seinen Spielführer Kurt Neumann (Lindemann:
"Der beste Kapitän den ich je in meiner Trainerlaufbahn kennenlernte") zu
sich und bespricht mit ihm die Situation. Man will also auf jüngere Leute
setzen, an denen es dem MSV nicht mangelt, und man nimmt das Risiko der
geringeren Erfahrung in Kauf. Da kommen nun Heinz Bohnes (Lindemann: "Der
Typ des modernen Mittelstürmers, der auf die Flügel ausbricht"), Heinz
Wieczorek und schließlich Ludwig (Lullu) Nolden, in die Mannschaft.
Hermann Lindemann hatte bereits Erich Dziwoki von Eintracht Frankfurt und
Uwe Scheurer von Hamborn 90 an die Westender Straße geholt. Von den alten
wie "Bubi" Hetzel, "Ömmes" Schmidt und Ferdi Mühlenberg trennte er sich.
"Bello" Küppers hatte der Trainer erfolgreich vom Linksaußen zum
Verteidiger umfunktioniert.
Die Saison 1955/56 ist für die
Entwicklung des MSV von wesentlicher Bedeutung und mit der vortrefflichen
Arbeit Hermann Lindemanns eng verbunden.
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Die folgende Oberligaspielzeit (s.
rechts) endet mit einem siebten Platz für den MSV, der es auf 32:28
Punkte und ein Torverhältnis von 62:42 bringt. Die Verjüngung der
Mannschaft hatte Früchte getragen. Hermann Lindemann weiß von einer
kleinen Episode im Rahmen der Totorunde zu berichten, die ausschließlich
mit deutschen Klubs durchgeführt wird. Nach dem Spiel bei Tasmania Berlin
steht tags darauf eine private Begegnung mit Hertha BSC am
traditionsreichen Gesundbrunnen auf dem Programm.
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Die Spieler, durchweg erstmals in
der geheimnisumwitterten, ehemaligen Reichshauptstadt, bitten den Trainer
um Ausgang bis zum Wecken. Sie wollen nicht nur die Sportplätze der Stadt
sehen, sie interessiert auch "Spree-Athen" bei Nacht. Lindemann zeigt ein
Herz für solche Sehnsucht. Nach dem Bankett bei Tasmania schwirren
Lindemanns Schützlinge ab. Vor dem Spiel gegen Hertha ermahnt der Trainer
seine Mannen kurz und knapp: "Also meine Herren, wenn's schief läuft, dann
brauchen wir uns künftig über derlei Ausgeh-Wünsche nicht mehr zu
unterhalten". Und Kapitän Kurt Neumann beschwört seine Kameraden:
"Enttäuscht den Trainer nicht". Weder Trainer noch Kapitän hatten ihre
Mahnungen in den Wind geschlagen: Hertha BSC erlebte sein blaues Wunder.
Die Meidericher siegten 5:1. Hermann Lindemann verfolgt das Ziel einer
fortschreitenden Verjüngung weiter. So führt er auch Günter Preuß behutsam
an Oberliganiveau heran. Doch Lindemann sieht sein weiteres Glück nicht
mehr an der Westender Straße. Über Nacht wechselt er zu Fortuna
Düsseldorf. "Die boten mir nahezu das doppelte Salär", bekannte er später.
In Meiderich aber reagiert man säuerlich auf Lindemann spontanen Abschied.
Als Nachfolger kommt Helmut Kronsbein, der 1954 von sich reden machte, als
er Hannover 96 zur Deutschen Meisterschaft führte. Wohl wegen seiner
quirligen Beweglichkeit und ausgebufften Cleverness nennt man ihn auch
"Fiffi". Der MSV entwickelt sich prächtig und schließt die Saison
1957/58 als Tabellenvierter hinter Schalke 04, 1.FC Köln und Alemannia
Aachen ab.
Weniger glücklich verläuft die folgende Spielzeit
1958/59. Gestörte Harmonie zwischen Trainer, Vorstand und Mannschaft
zieht einen Leistungsabschwung nach sich. Noch vor Saisonende steht die
Trennung von Kronsbein. Die Gründe sind vielschichtig. Sportlich wird ihm
vorgeworfen, den sympathischen Aufbau der Mannschaft seinen ehrgeizigen
persönlichen Zielen geopfert und mit jungen Nachwuchskräften Raubbau
getrieben zu haben. An seine Stelle triff Elmar Rösch. Er ist
MSV-Mitglied. Doch statt Fußball spielt er Hockey. Wilhelm Tiefenbach,
derzeit als Hockeyabteilungsleiter Mitglied des Verwaltungsrats, schlägt
Rösch vor, der das Fußball-Lehrer-Patent besitzt und sich bereits als
Trainer beim VfL Bochum bewährt hat. Elmar Rösch tritt kein gutes Erbe an.
Er bekommt die Situation in den Griff und belegt mit der Mannschaft zum
Saisonschluss den achten Platz. Im letzten Spiel im Wedaustadion
unterliegt der MSV Fortuna Düsseldorf mit 0:5. Die Düsseldorfer unter
Trainer Hermann Lindemann demonstrieren Traumfußball.
Mittlerweile
hat Kurt Lehmann im Mai 1959 Helmut Millinghaus im Vorstand abgelöst. Er
sieht eine Hauptaufgabe darin, die Schulden abzubauen und dem Klub eine
gesund wirtschaftliche Basis zu geben. Mit eisernen Sparmaßnahmen kommt er
diesem Ziel immer näher. Bei der Weiterverpflichtung von Elmar Rösch als
Trainer mag für Kurt Lehmann auch die Überlegung eine Rolle gespielt
haben, dass Rösch seine Arbeitskraft aus innerem Interesse am MSV
ungewöhnlich preisgünstig zur Verfügung stellt.
Die Saison
1959/60 lässt nichts an Spannung vermissen. Vor dem letzten Spieltag
nimmt der MSV mit 28:30 Punkten den sechsten Tabellenplatz ein. Dennoch
ist die Mannschaft abstiegsgefährdet. Preußen Münster steht mit 26:32
Punkten auf dem 13. Rang. Spannung also von höchster Dramatik. Diese
Situation lässt in Fußballkreisen, aber auch in der Öffentlichkeit den
Vorschlag reifen: Begrabt die Bundesligapläne und schafft im Westen eine
18er-Liga. Doch dieser Ruf verhallt ungehört. Der MSV unterliegt in seinem
letzten Punktspiel bei Borussia Dortmund mit 3:2 und sichert sich bei der
Schlussabrechnung mit eben den 28 Punkten, denen nunmehr 32 Verlustpunkte
gegenüberstehen, den neunten Platz. Lediglich das schlechtere
Torverhältnis trennt die Meidericher vom siebten Rang.
Man
schreibt das Jahr 1962. Der MSV verfügt über eine der
spielstärksten Mannschaften im Westen. Das wird stolz registriert.
Schließlich liegen harte Jahre des Wiederaufbaues und der Stabilisierung
hinter dem Klub. Man weiß an der Westender Straße: Nur eine
leistungsstarke Fußballmannschaft ist Garant für die Lebensfähigkeit des
Gesamtvereins. Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Die Fußball-
Bundesliga soll im nächsten Jahr Wirklichkeit werden. Unbehagen über eine
ungewisse Zukunft vermischt sich mit dem verlockenden Gedanken einer
glanzvollen Etablierung in eben dieser höchsten deutschen Fußballklasse.
Wird man die wirtschaftliche Belastung tragen können? Wird die Mannschaft
überhaupt in der Lage sein, sich zu qualifizieren ? Sollen vielleicht alle
Anstrengungen der vergangenen Jahre umsonst gewesen sein? Bange Fragen im
Jubiläumsjahr, in dem der MSV seinen 60. Geburtstag feiert.
Die
Spielzeit 1962/63 hat wie kaum je zuvor den Charakter einer
Schicksalssaison. Der MSV muss sich schon auf Rang zwei platzieren, soll
das große Ziel Bundesliga erreicht werden. Die Mannschaft besitzt
beachtliche Spielstärke, die zu großem Optimismus Anlas gibt.
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Sie genießt den Ruf einer spieltechnisch eleganten und
hochveranlagten Truppe, die starke Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs
heranreifen sieht. Werner "Eia" Krämer, Günter Preuß, Werner Lotz, Hartmut "Hatte" Heidemann,
Dieter "Pitter" Danzberg, Horst "Pille" Gecks.
Der MSV gewinnt den
Konstanz-Jersch-Pokal, einen westdeutschen Pokalwettbewerb. Der Verzicht
auf den Einkauf fremder Spieler, die stattliche Summen kosten, fällt nicht
schwer. Der MSV verfügt über erstklassige Spieler. Die Ausgaben für hohe
Transfers kann man sich sparen. Die ersten Spiele der entscheidenden
Saison dämpfen berechtigte Hoffnungen.

Meidericher
Fussballfans in den 60ern |
Punktverluste mit unentschiedenen
Resultaten gegen Westfalia Herne, ETB Schwarz-Weiß Essen und Alemannia
Aachen folgt eine 1:3 Heimniederlage gegen den 1. FC Köln. Resignation
kommt auf. Eine Verletzungsserie hat die Substanz geschwächt. Die Amateure
Gecks und Hagenacker müssen aushelfen. Das nach Oberhausen verlegte
Lokalspiel gegen Hamborn 07 bringt im sechsten Saisontreffen mit 1:0 den
ersten Sieg. Aufatmen: Auch die Verletzungsserie klingt ab und, auch das
macht Mut, die vorderen Plätze sind ungewöhnlich hart umstritten. Keinem
der übrigen Rivalen gelingt es, sich vom übrigen Feld abzusetzen. Weder
den Kölnern noch den Dortmunder Borussen. |
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Schwerer noch als die
Sorge um die sportliche Qualifikation drückt nun die wirtschaftliche Lage.
Obwohl an der Westender Straße in Meiderich bester Fußball gespielt wird,
ist die Zuschauerresonanz mager. Die Publikumsgunst neigt sich mehr dem
Duisburger Spielverein, Hamborn 07 und Rot-Weiß Oberhausen zu, den
nachbarlichen Rivalen, die, nur wenige Kilometer ringsum, die Fans
anziehen und den Meiderichern finanziell das Wasser abgrabe, den
Lebensnerv abzuschneiden drohen. Vorstandsvorsitzender Kurt Lehmann fleht
die Journalisten an, die Sportöffentlichkeit zu mobilisieren. Vergebens:
Die Meidericher sind als "graue Maus" verschrien. Der Schatzmeister
bekommt es zu spüren. Wenn das Fußballvolk noch nicht reagiert, dann muss
es durch umso größere Leistungen überzeugt werden. Das ist die
Vorstandsdevise zu noch intensiveren Anstrengungen.
Zu Beginn des
Jahres 1964 nehmen die Meidericher den siebten Tabellenplatz ein.
Keine verheißungsvolle Ausgangslage für die Berufung in die Bundesliga. In
gut einem Vierteljahr ist die Entscheidung fällig. Am 8. Januar benennt
der fünfköpfige Bundesligaausschuss mit dem Kölner Franz Kremer und dem
Nürnberger Dr. Franz an der Spitze auf einer Sitzung in Hamburg die ersten
neun auserwählten Klubs: 1.FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln,
Borussia Dortmund, Schalke 04, Hamburger SV, Werder Bremen, 1.FC
Saarbrücken und Hertha BSC Berlin. Und er nimmt eine weitere Auswahl vor.
Von den insgesamt 44 Bewerbern bleiben in eben dieser Hamburger Sitzung 15
Klubs bereits auf der Strecke, darunter Rot-Weiß Oberhausen, Borussia
Mönchengladbach und Hamborn 07. Der Bundesligaausschuss teilt ihnen mit,
dass ihr Aufnahmeantrag abgelehnt sei. Es verbleibt eine Gruppe von 20
Vereinen, die weiter hoffen dürfen. Zu ihnen zählt auch der Meidericher
Spielverein. Doch die Chance letztlich noch den Zuschlag zu bekommen, ist
keineswegs groß. Lediglich sieben Klubs winkt die Aufnahme in die höchste
Klasse, dreizehn müssen ausscheiden. An der Westender Straße in Meiderich
ist man skeptisch: In der Schlange der Konkurrenz stehen nicht allein die
westdeutschen Rivalen, Preußen Münster und Alemannia Aachen, da sind auch
so namhafte Vereine wie der FC Bayern und TSV 1860 München, Karlsruher SC,
Kickers Offenbach, VfB Stuttgart und Eintracht Braunschweig, Hannover 96,
mehrfach Teilnehmer an der Endrunde zur "Deutschen" und mancher Exmeister.
Wie blas ist dagegen das Image der Meidericher!
Die Duisburger
Vorstädter resignieren nicht. Sie kämpfen sich durch harte "englische
Wochen", die zahlreichen witterungsbedingten Spielausfälle verursachten,
langsam nach vorn. Den Durchbruch öffnet der 1:0 Sieg über Borussia
Dortmund in der Kampfbahn "Rote Erde". Das Ziel ist jedoch noch nicht
erreicht.
April 1963. Auf dem Terminkalender steht das
Auswärtsspiel bei Viktoria Köln. Der MSV darf keinen Punkt verschenken,
will er die sportliche Qualifikation für die Bundesliga schaffen. "Pitter"
Danzberg soll es an diesem Nachmittag vorbehalten bleiben, mit einem
vehementen Kopfball in den Schlußminuten noch den 3:2 Sieg zu sichern.
Rudi Gutendorf, Zeuge dieses Spiels und ganz auf die Bundesligaehe mit den
Meiderichern fixiert, aber noch ohne Vertrag, verhandelt nach dieser
Begegnung mit Josef Schwickert, dem zweiten Vorsitzenden, in der bekannten
Kölner Gaststätte "Maria im Bildchen". Man wird sich einig und entschließt
sich zur vertraglichen Bindung. Auf der Speisekarte des Hauses wird der
Kontrakt formuliert und unterschrieben, obwohl der MSV immer noch nicht
den Segen des Deutschen Fußballbundes als Mitglied der höchsten Klasse
hat. Der MSV zittert weiter. Die lokale Begegnung mit dem unmittelbaren
Nachbarn, Hamborn 07, am 5. Mai an der Westender Straße wird mit Spannung
erwartet. 15.000 erleben einen Meidericher 2:1 Sieg, den wieder einmal
"Pitter" Danzberg mit einem wuchtigen Schuss in der 90. Minute
sicherstellt. Der Hamborner Rolf Schafstall, damals ein bissiger
Verteidiger, foult "Eia" Krämer. Horst Podlasly, der wenige Wochen später
zu Hannover 96 geht, wehrt den Freistoß zu kurz ab. Der energiegeladene
Danzberg nimmt die Chance im Nachschuss wahr.
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"Fischken" Multhaupt (s. rechts),
Meidericher Trainer: "Ein Sieg in der 90. Minute ist immer glücklich. Ich
bin froh diese wichtige Auseinandersetzung erfolgreich beendet zu haben".
Schließlich würde eine Niederlage gegen Hamborn die Aufnahme der
Meidericher in die höchste Klasse vermutlich ernsthaft in Frage gestellt
haben. Der MSV hatte den vierten Tabellenplatz, einen einzigen Punkt vor
Alemannia Aachen erfolgreich verteidigt. Alle Blicke sind auf das letzte
Treffen mit Preußen Münster fixiert. Aber noch ehe es angepfiffen wird,
löst sich die zum Bersten angestaute Spannung.
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Schon einen Tag nach dem MSV Sieg über
Hamborn 07 entscheidet der Bundesligaausschuss: Preußen Münster und
Meidericher Spielverein sind Bundesligisten. Meiderichs 2:1 Sieg über
Münster ist nur noch Formsache, bringt den Duisburgern allerdings den
dritten und Münster den vierten Platz in der letzten Oberligatabelle ein.
Plötzlich aber, als der MSV die Lizenz in den Händen hält, ist
Gutendorf mit den finanziellen Abmachungen nicht mehr zufrieden. Sein
Geschäftssinn regt sich; er will mehr. Dr. Walter Schmidt, mittlerweile
Kurt Lehmanns Nachfolger im MSV Vorsitz, möchte sich nicht kleinlich
zeigen und den Vorstellungen Gutendorfs folgen. Mit seinen anderen
Vorstandskollegen einigt er sich, dem neuen Trainer finanzielle Anreize
dergestalt zu geben, die Bezüge auf Prämienbasis auszurichten. Das
bedeutet: Für die Meisterschaft 30.000 Mark und entsprechende Staffelung
bis hinunter zum sechsten Platz. Der Weg ist frei. Man wird die Saison mit
Rudi Gutendorf aufnehmen. Josef Schwickert: "Als wir den Prämienvertrag
mit Gutendorf schlossen, ahnte niemand von uns, dass wir am Saisonende
zahlen würden. Die Vizemeisterschaft aber, an die weder wir noch der
Trainer und schon gar nicht die deutsche Fußballöffentlichkeit zu glauben
wagten, war uns die Prämie wert. Die Einnahmen waren zudem entsprechend,
so dass uns die Erfüllung der vertraglichen Pflicht nicht schwer fiel".
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1963-1966 |
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