1952-1963 |
1963 - 1966 |
1967-1970 |
Telegramm
vom DFB sorgt für Hochstimmung
|
Dieter
"Pitter" Danzberg und Gerd
Müller
|
|
Wie ein Lauffeuer ging die
Nachricht durch die ganze Stadt.
Der 6. Mai 1963 war ein
ganz besonderer Tag. Beim damaligen Meidericher SV traf das Telegramm aus
der Frankfurter Zentrale des deutschen Fußballbundes (DFB) ein, und sein
Inhalt sorgte für Jubel an der Westender Straße. Es war genau 20:12 Uhr.
Hans Koopmann von den Fußball-Amateuren sitzt auf der Geschäftsstelle, mit
alltäglichen Routine-Fragen beschäftigt. Das Telefon schrillt. Er greift
zum Hörer: Hier MSV. Eine zarte Frauenstimme meldet sich: Hier
Fernmeldeamt, ein Telegramm an den Meidericher Spielverein vom Deutschen
Fußball-Bund. Der Text: "Ihren Aufnahmeantrag zur Bundesliga wurde
stattgegeben." Der Meidericher Spielverein im Reigen der arrivierten
Vereine! Was die ruhmreichen Klubs wie Schalke oder Nürnberg, Eintracht
Frankfurt oder der HSV als reine Formsache betrachteten, das war für den
Spielverein aus Meiderich das bis dahin hervorstechendste Ereignis der
Vereinsgeschichte. Das war so, als hätte der Klub gerade eine bedeutende
Meisterschaft geholt.
Für die damaligen Spieler wie Günther
Preuß,
Dieter Danzberg, Werner Krämer, Hartmut Heidemann, Werner Lotz (s. Foto unten) und Ludwig Nolden war auch ein
großer Traum in Erfüllung gegangen.
Apropos HSV:
Nationalmittelstürmer Uwe Seeler fragte nach Bekannt werden der
Bundesligazugehörigkeiten: "Meiderich, wo liegt das denn ?" Anmerkung::
Nicht allzu sehr viel später, muss er wohl ziemlich genau gewusst haben,
wo Meiderich liegt.
|
Einer der Zeitzeugen ist Dieter Danzberg, (s. Foto oben) den sie auch heute noch nur "Pitter" rufen
und der 1990 seinen 50. Geburtstag feierte. Wie oft musste er im
Bekanntenkreis die Geschichten erzählen, die Tore in Erinnerung rufen, die
mit dazu beitrugen, dass die Bundesliga damals erreicht wurde. Der Stopper
mit dem Gardemaß wechselte, wenn es "vorne" nicht so recht nach Wunsch
lief, in den Angriff und rammte meist mittels Kopfbällen das runde Leder
entscheidend oft ins gegnerische Netz.
|
|
|
Das war im April '63 so, als
Danzberg beim wichtigen 3:2 Sieg im Auswärtsspiel bei Victoria Köln für
den Siegtreffer sorgte, als seine Mannschaft jeden Punkt dringend
benötigte. Und den alten Meidericher Fußballfreunden wird besonders ein
Spiel immer noch in Erinnerung sein. Am 5. Mai des gleichen Jahres stand
an der Westender Straße die lokale Auseinandersetzung mit Hamborn 07 an.
15.000(!) Zuschauer wurden Zeuge eines "Krimis". Wieder war es Dieter
Danzberg, der in der 90. Minute im Nachschuss den entscheidenden Treffer
erzielte.
|
Ein Hamborner Kicker namens Rolf Schafstall, später unter anderem
auch MSV-Trainer, foulte Werner Krämer, (s.
rechts) den Freistoß wehrte Horst Podlasly im 07-Tor zu kurz und
vor die Füße Danzbergs ab, und diese Chance ließ sich der "Pitter" nicht
entgehen - er jagte den Ball mit strammen Schuss zum 2:1 ins Hamborner
Netz. Der vierte Tabellenplatz mit nur einem hauchdünnen Vorsprung eines
einzigen Punktes vor Alemannia Aachen, die sich auch große Hoffnungen auf
die Bundesligalizenz machen durfte, war erfolgreich verteidigt.
|
|
|
Das letzte Spiel gegen Preußen
Münster war nur noch für Statistiker von Bedeutung: Schon einen Tag nach
dem Sieg über Hamborn, hatte der Fußballbund beide Klubs in die Bundesliga
aufgenommen. Der 2:1-Sieg brachte den Duisburgern den dritten und den
Westfalen den vierten Platz in der letzten Oberligatabelle ein.
Trainer des Meidericher Teams war damals im übrigen Willi
Multhaup, den sie alle "Fischken" nannten. Der Trainerfuchs mit dem
Silberhaar zählte zu den erfolgreichsten deutschen Fußballtrainern, der
auch in den MSV-Annalen einen festen Platz hat. Multhaup betreute zweimal
die Meidericher Mannschaft, und beide Male hatte der kluge Taktiker mit
ihr großen sportlichen Erfolg. 1951 führte "Fischken" den Verein erstmals
in die Oberliga und zwölf Jahre später in die neu gegründete Bundesliga.
Danach wandte er sich bei Werder Bremen neuen Zielen zu.
An jenem
6. Mai '63. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch den
Stadtteil Meiderich, durch die ganze Stadt. Der Spielverein war
Bundesligist, Mitglied der höchsten deutschen Klasse, der Kickerelite. Der
Profifußball hatte Einzug gehalten und mit ihm zugleich die vielen
Probleme, die er mit sich brachte. Finanzielle Überlegungen, entsprechende
Etats, personelle Verstärkungen des Teams, Verpflichtung eines neuen
Trainers - all diese Dinge türmten sich vor dem Bundesligisten Meidericher
SV auf.
|
Aber das sie gelöst werden konnten, zeigte das erste
Bundesligajahr. Ein junger namenloser Trainer mit Namen Rudi
Gutendorf,(s. rechts) der sich später
einen unrühmlichen Abgang leistete, als er dem Vorsitzenden Wilhelm
Tiefenbach Handgreiflichkeiten androhte, führte die Mannschaft, in der
auch Weltmeister "Boß" Rahn nach einer spektakulären Verpflichtung
stürmte, die für Aufsehen im ganzen Land sorgte, zu ersten deutschen
Vizemeisterschaft hinter dem 1. FC Köln. Das "Riegel" System fand
Auferstehung, und Riegel Rudi Gutendorf war sein Vater. Die erste
Bundesligamannschaft spielte in dieser Besetzung: Manglitz, Lotz, Sabath,
Cichy, Preuß, Nolden, Rahn, Krämer, Veersteg, Höher, Heidemann.
|
Rudi Gutendorf und Helmut
Rahn (oben)
|
Am 25. August 1963 waren
rund 40.000 Zuschauer im Karlsruher Wildparkstadion gespannt auf den
Beginn des Abenteuers Fußballbundesliga. Der KSC Gast am ersten Spieltag
der neuen Eliteliga waren die Meidericher, und sie legten einen Start hin,
das den wackeren Karlsruhern Hören und Sehen verging. 3:0 führten sie
schon bis zur Pause, dirigiert von einem Werner "Eia" Krämer (s.
rechts), der später
zum Nationalspieler unter Sepp Herberger aufsteigen sollte und noch heute
im Duisburger Fußball einen guten Namen hat.
|
 |
|
Beim ersten Bundesligaheimspiel im Wedaustadion versammelten sich
36.000 Zuschauer in der randvollen Arena, und der klare 4:1 Auswärtssieg
im Wildpark hatte für Appetit bei den Fans gesorgt. Die neue Liga und ihre
Anziehungskraft, der tolle Start des Meidericher Teams - da waren die
Erwartungen hochgesteckt. Die Tore von Rahn, (s.
rechts) Heidemann und Krämer sorgten beim 3:1 Erfolg über die
Frankfurter Eintracht dafür, dass sie auch erfüllt wurden, mögen alte
Meidericher Fußballfans womöglich noch wissen.
|
|
Aber die erreichte Vizemeisterschaft
ist gewiss noch in guter Erinnerung. Und sie ließ viel Hoffnung für die
weitere Zukunft. Fortan waren die Ergebnisse des MSV freilich nicht mehr
so von Erfolg gekrönt wie in dem Bundesligagründungsjahr. Schon in der
zweiten Saison machte der Verein vorrangig deshalb Schlagzeilen, weil für
den Stürmer Heinz Versteeg, im Jahr zuvor gefährlicher Torjäger gewesen,
der Psychotherapeut Dr. Ernst Büning verpflichtet wurde, der das Rätsel um
Versteegs unerklärliche Formschwäche lösen sollte, der auch nicht
annähernd an alte Gefährlichkeit anknüpfen konnte. Ein Erfolg stellte sich
freilich nicht ein.
Am Ende der Saison 64/65 landete die
Mannschaft auf Platz sieben, nach der nächsten auf Rang acht.
| 1966 hatte der MSV zum erstenmal ein
Pokalendspiel erreicht. Unter der verantwortlichen Regie des Trainers
Hermann Eppenhoff gab es eine 2:4 Niederlage gegen die Münchner Bayern
vor 60.000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion. Im jugendlichen Alter
kickte auf Seite der Bajuwaren die Mittelachse mit Sepp Maier, Franz
Beckenbauer und Gerd Müller. Rüdiger Mielke, ein seinerzeit
hoffnungsvolles Talent, schoß die Duisburger mit einem tollen Tor in Führung,
durch Ohlhauser und Brenninger glich der FC Bayern nicht nur aus, sondern
ging in Führung. Heidemanns Treffer vom Elfmeterpunkt aus, sorgte für
neue MSV-Hoffnung, ein Strafstoß der Münchner von Brenninger verwandelt,
brachte die wieder in Vorteil, den Beckenbauer zum 4:2 stabilisierte.
|
Der
MSV spielte mit Manglitz, Sabath, Lotz,
Müller, Bella (s.
rechts), Rühl
, Krämer, Mielke, van Haaren, Gecks. Das war der Weg ins Finale: Der VFB
Stuttgart wurde 2:0 bezwungen, Schalke 04 erlebte bei der 0:6-Niederlage
ein Debakel, dann folgte ein knappes 1:0 über den Karlsruher SC, im
Halbfinale gaben die Meidericher dem 1.FC Kaiserslautern mit 4:3 das
Nachsehen. |
 |
|

| Werner
Lotz (s.oben) gratuliert den Bayern zum Pokalsieg.
Ingesamt
gab es bisher 2 DFB-Pokal Endspiele gegen die Münchner
Bayern. 1966 im Frankfurter Waldstadion und 1998 Berliner
Olympiastadion. Im Pokalenspielen zogen die Meidericher
leider bisher immer den kürzeren. Wird es noch mal einen
dritte Chance für den MSV Duisburg geben?
|
|
|
|
1952-1963 |
|
1967-1970 |
| |
| |