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Die Geschichte des MSV
Telegramm vom DFB sorgt für Hochstimmung
Dieter "Pitter" Danzberg und Gerd Müller

Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch die ganze Stadt.

Der 6. Mai 1963 war ein ganz besonderer Tag. Beim damaligen Meidericher SV traf das Telegramm aus der Frankfurter Zentrale des deutschen Fußballbundes (DFB) ein, und sein Inhalt sorgte für Jubel an der Westender Straße. Es war genau 20:12 Uhr. Hans Koopmann von den Fußball-Amateuren sitzt auf der Geschäftsstelle, mit alltäglichen Routine-Fragen beschäftigt. Das Telefon schrillt. Er greift zum Hörer: Hier MSV. Eine zarte Frauenstimme meldet sich: Hier Fernmeldeamt, ein Telegramm an den Meidericher Spielverein vom Deutschen Fußball-Bund.
Der Text: "Ihren Aufnahmeantrag zur Bundesliga wurde stattgegeben."
Der Meidericher Spielverein im Reigen der arrivierten Vereine! Was die ruhmreichen Klubs wie Schalke oder Nürnberg, Eintracht Frankfurt oder der HSV als reine Formsache betrachteten, das war für den Spielverein aus Meiderich das bis dahin hervorstechendste Ereignis der Vereinsgeschichte. Das war so, als hätte der Klub gerade eine bedeutende Meisterschaft geholt.

Für die damaligen Spieler wie Günther Preuß, Dieter Danzberg, Werner Krämer, Hartmut Heidemann, Werner Lotz (s. Foto unten) und Ludwig Nolden war auch ein großer Traum in Erfüllung gegangen.

Apropos HSV: Nationalmittelstürmer Uwe Seeler fragte nach Bekannt werden der Bundesligazugehörigkeiten: "Meiderich, wo liegt das denn ?" Anmerkung:: Nicht allzu sehr viel später, muss er wohl ziemlich genau gewusst haben, wo Meiderich liegt.

Einer der Zeitzeugen ist Dieter Danzberg, (s. Foto oben) den sie auch heute noch nur "Pitter" rufen und der 1990 seinen 50. Geburtstag feierte. Wie oft musste er im Bekanntenkreis die Geschichten erzählen, die Tore in Erinnerung rufen, die mit dazu beitrugen, dass die Bundesliga damals erreicht wurde. Der Stopper mit dem Gardemaß wechselte, wenn es "vorne" nicht so recht nach Wunsch lief, in den Angriff und rammte meist mittels Kopfbällen das runde Leder entscheidend oft ins gegnerische Netz.

Werner Lotz und Franz Beckenbauer.

Das war im April '63 so, als Danzberg beim wichtigen 3:2 Sieg im Auswärtsspiel bei Victoria Köln für den Siegtreffer sorgte, als seine Mannschaft jeden Punkt dringend benötigte. Und den alten Meidericher Fußballfreunden wird besonders ein Spiel immer noch in Erinnerung sein. Am 5. Mai des gleichen Jahres stand an der Westender Straße die lokale Auseinandersetzung mit Hamborn 07 an. 15.000(!) Zuschauer wurden Zeuge eines "Krimis". Wieder war es Dieter Danzberg, der in der 90. Minute im Nachschuss den entscheidenden Treffer erzielte.

Ein Hamborner Kicker namens Rolf Schafstall, später unter anderem auch MSV-Trainer, foulte Werner Krämer, (s. rechts) den Freistoß wehrte Horst Podlasly im 07-Tor zu kurz und vor die Füße Danzbergs ab, und diese Chance ließ sich der "Pitter" nicht entgehen - er jagte den Ball mit strammen Schuss zum 2:1 ins Hamborner Netz. Der vierte Tabellenplatz mit nur einem hauchdünnen Vorsprung eines einzigen Punktes vor Alemannia Aachen, die sich auch große Hoffnungen auf die Bundesligalizenz machen durfte, war erfolgreich verteidigt.

Spielszene mit Werner 'Eia' Krämer

Das letzte Spiel gegen Preußen Münster war nur noch für Statistiker von Bedeutung: Schon einen Tag nach dem Sieg über Hamborn, hatte der Fußballbund beide Klubs in die Bundesliga aufgenommen. Der 2:1-Sieg brachte den Duisburgern den dritten und den Westfalen den vierten Platz in der letzten Oberligatabelle ein.

Trainer des Meidericher Teams war damals im übrigen Willi Multhaup, den sie alle "Fischken" nannten. Der Trainerfuchs mit dem Silberhaar zählte zu den erfolgreichsten deutschen Fußballtrainern, der auch in den MSV-Annalen einen festen Platz hat. Multhaup betreute zweimal die Meidericher Mannschaft, und beide Male hatte der kluge Taktiker mit ihr großen sportlichen Erfolg. 1951 führte "Fischken" den Verein erstmals in die Oberliga und zwölf Jahre später in die neu gegründete Bundesliga. Danach wandte er sich bei Werder Bremen neuen Zielen zu.

An jenem 6. Mai '63. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch den Stadtteil Meiderich, durch die ganze Stadt. Der Spielverein war Bundesligist, Mitglied der höchsten deutschen Klasse, der Kickerelite. Der Profifußball hatte Einzug gehalten und mit ihm zugleich die vielen Probleme, die er mit sich brachte. Finanzielle Überlegungen, entsprechende Etats, personelle Verstärkungen des Teams, Verpflichtung eines neuen Trainers - all diese Dinge türmten sich vor dem Bundesligisten Meidericher SV auf.

Aber das sie gelöst werden konnten, zeigte das erste Bundesligajahr. Ein junger namenloser Trainer mit Namen Rudi Gutendorf,(s. rechts) der sich später einen unrühmlichen Abgang leistete, als er dem Vorsitzenden Wilhelm Tiefenbach Handgreiflichkeiten androhte, führte die Mannschaft, in der auch Weltmeister "Boß" Rahn nach einer spektakulären Verpflichtung stürmte, die für Aufsehen im ganzen Land sorgte, zu ersten deutschen Vizemeisterschaft hinter dem 1. FC Köln. Das "Riegel" System fand Auferstehung, und Riegel Rudi Gutendorf war sein Vater. Die erste Bundesligamannschaft spielte in dieser Besetzung: Manglitz, Lotz, Sabath, Cichy, Preuß, Nolden, Rahn, Krämer, Veersteg, Höher, Heidemann.

Rudi 'Riegel' Gutendorf

 

 

 

 

Rudi Gutendorf und Helmut Rahn (oben)


Am 25. August 1963 waren rund 40.000 Zuschauer im Karlsruher Wildparkstadion gespannt auf den Beginn des Abenteuers Fußballbundesliga. Der KSC Gast am ersten Spieltag der neuen Eliteliga waren die Meidericher, und sie legten einen Start hin, das den wackeren Karlsruhern Hören und Sehen verging. 3:0 führten sie schon bis zur Pause, dirigiert von einem Werner "Eia" Krämer
(s. rechts), der später zum Nationalspieler unter Sepp Herberger aufsteigen sollte und noch heute im Duisburger Fußball einen guten Namen hat.

Beim ersten Bundesligaheimspiel im Wedaustadion versammelten sich 36.000 Zuschauer in der randvollen Arena, und der klare 4:1 Auswärtssieg im Wildpark hatte für Appetit bei den Fans gesorgt. Die neue Liga und ihre Anziehungskraft, der tolle Start des Meidericher Teams - da waren die Erwartungen hochgesteckt. Die Tore von Rahn, (s. rechts) Heidemann und Krämer sorgten beim 3:1 Erfolg über die Frankfurter Eintracht dafür, dass sie auch erfüllt wurden, mögen alte Meidericher Fußballfans womöglich noch wissen.

Spielszene aus dem Jahr 1963
Aber die erreichte Vizemeisterschaft ist gewiss noch in guter Erinnerung. Und sie ließ viel Hoffnung für die weitere Zukunft. Fortan waren die Ergebnisse des MSV freilich nicht mehr so von Erfolg gekrönt wie in dem Bundesligagründungsjahr. Schon in der zweiten Saison machte der Verein vorrangig deshalb Schlagzeilen, weil für den Stürmer Heinz Versteeg, im Jahr zuvor gefährlicher Torjäger gewesen, der Psychotherapeut Dr. Ernst Büning verpflichtet wurde, der das Rätsel um Versteegs unerklärliche Formschwäche lösen sollte, der auch nicht annähernd an alte Gefährlichkeit anknüpfen konnte. Ein Erfolg stellte sich freilich nicht ein.

Am Ende der Saison 64/65 landete die Mannschaft auf Platz sieben,
nach der nächsten auf Rang acht.

1966 hatte der MSV zum erstenmal ein Pokalendspiel erreicht. Unter der verantwortlichen Regie des Trainers Hermann Eppenhoff gab es eine 2:4 Niederlage gegen die Münchner Bayern vor 60.000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion. Im jugendlichen Alter kickte auf Seite der Bajuwaren die Mittelachse mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Rüdiger Mielke, ein seinerzeit hoffnungsvolles Talent, schoß die Duisburger mit einem tollen Tor in Führung, durch Ohlhauser und Brenninger glich der FC Bayern nicht nur aus, sondern ging in Führung. Heidemanns Treffer vom Elfmeterpunkt aus, sorgte für neue MSV-Hoffnung, ein Strafstoß der Münchner von Brenninger verwandelt, brachte die wieder in Vorteil, den Beckenbauer zum 4:2 stabilisierte.

 

Der MSV spielte mit Manglitz, Sabath, Lotz, Müller, Bella (s. rechts), Rühl , Krämer, Mielke, van Haaren, Gecks. Das war der Weg ins Finale: Der VFB Stuttgart wurde 2:0 bezwungen, Schalke 04 erlebte bei der 0:6-Niederlage ein Debakel, dann folgte ein knappes 1:0 über den Karlsruher SC, im Halbfinale gaben die Meidericher dem 1.FC Kaiserslautern mit 4:3 das Nachsehen.

Werner Lotz (s.oben) gratuliert den Bayern zum Pokalsieg.

Ingesamt gab es bisher 2 DFB-Pokal Endspiele gegen die Münchner Bayern. 1966 im Frankfurter Waldstadion und 1998 Berliner Olympiastadion. Im Pokalenspielen zogen die Meidericher leider bisher immer den kürzeren. Wird es noch mal einen dritte Chance für den MSV Duisburg geben? 

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