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Die Geschichte des MSV
Von Krisen geschüttelt
Vizemeisterschafts-Mannschaft von 1964

Sorgen um Schlußlicht MSV - Franz Theinert präsentiert Gyula Lorant -
Oppositition formiert sich - 50.000 Flugblätter an den Werkstoren - Prämie gegen den Abstieg

Nach der deutschen Vizemeisterschaft 1964 kehrte bald der Bundesliga-Alltag ein, der für den MSV für Jahre gekennzeichnet ist von sportlichen durchschnittlichen Leistungen. Sie prägten das Image eines Klubs, der für Meisterschafts-Hoffnungen zu schwach, für einen Sturz in die Zweitklassigkeit aber zu stark ist. Gelegenlich sieht man die Meidericher in der Spitzengruppe. Doch solche Phasen sind kurz, wecken nur vorübergehend höher gesteckte Erwartungen. Viel zu oft muß sich die Mannschaft mit Abstiegssorgen herumplagen. Immer wieder aber gelingt es ihr, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

In die bedrohlichste Lage der frühen Bundesligajahre bringt sich der MSV in der Saison 1966/67. Nach Abschluß der ersten Serie steht die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz. Die Hauptlast der Vorwürfe hat Trainer Hermann Eppenhoff zu tragen. Man sagt ihm nach, die Profis nicht hart genug anzupacken. Das MSV-Präsidium unter Wilhelm tiefen bach aber behält in dieser prkären Situation, Ruhe und Übersicht. Er stellt sich vor seinen Trainer, hält ihn aber an, täglich zweimal mit den Spielern zu arbeiten. Die Krise wird gemeistert. Zu saisonende belegt der MSV den zehnten Tabellenplatz.

Die Tage Hermann Eppenhofs beim MSV sind jedoch gezählt. Die Frage nach einem neuen Coach wirbelt März 1967 viel Staub auf. Soll Eppenhoff, dessen Vertarg nach zweijähriger Tätigkeit Ende Juni ausläuft, bleiben oder einen anderen Mann Platz machen? Es gibt gewichtige Stimmen gegen Eppenhoff, die den ehemaligen Schalker Nationalspieler in seiner Arbeit nicht für methodisch genug halten. Zu ihnen gehört der zweite Vorsitzende, Franz Theinert, dem als gebürtiger Östereicher und Landsmann großer europäischer Fußballhelden einer verblaßten Vergangenheit besonderer Sachverstand nachgerühmt wird.

Trainer Gyula Lorant

Er setzt seine Meinung durch und präsentiert mit dem ehemaligen Ungarn,
Gyula Lorant, (s. Foto oben) einen Trainer, der die Meidericher wieder in die deutsche Spitze führen soll. Die Verpflichtung trägt dubiose Züge und wird zum Ausgangspunkt. Gerüchte um Lorants bereits vollzogene Vertragsunterschrift werden vom Vorstand dementiert. Die Presse spekuliert. Das zieht sich über Wochen hin. Auf der Hauptversammlung erklärt Vorsitzender Wilhelm Tiefenbach auf bohrende Fragen von Mitgliedern: " Im Interesse des Meidericher Spielvereins kann ich zu dieser Frage derzeit keine Stellung beziehen." Die Versammlung geht mißmutig auseinander. Bereits einen Tag später präsentiert eine Duisburger Zeitung der erstauten Öffentlichkeit die Wahrheit: Lorant hat unterschrieben. Das Blatt weiß sogar von Einzelheiten zu berichten. MSV-Justitar Arnold Jaeger ist unglücklich über diese Entwicklung. Man hatte dem neuen Mann, der noch am Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern tätig ist, absolutes Stillschweigen vereinbart. Die Suche nach der undichten Stelle verläuft ergebnislos.

Der "Fall Lorant" erzeugte Spannungan zwischen Vorstand und Verwaltungsrat, aber auch für Unruhe unter den Mitgliedern. Eine Opposition unter Führung des Rechtsanwalts Hans-Dieter Köppen formiert sich. Die erhitzen Gemüter stehen sich monatelang unversöhnlich gegenüber. Alte Freundschaften zerbrechen. Es geht um Kompetenzen von Vorstand, später Präsidium genannt und Verwaltungsrat. Sogar ein ordentliches Gericht wird bemüht. Das Fazit der Queleren trägt immerhin positive Züge: Eine gemeinsame Kommission von "Etablierten Und Oppositionellen" erarbeitet eine neue satzung, die den Realitäten des Bundesliga-Alltags weitgehend Rechnung trägt. Damit sind auch die Emotionen endgültig abgekühlt,die sich an der von Rat und Verwaltung der Stadt gewünschten Aufnahme des Namens Duisburg in der Vereins-Bezeichnung entzündet hatten. Die alten Meidericher bekennen sich, wenn auch schwerens Herzens, unter der Flagge des Fußballs zu Duisburg. Ein durchaus historisch zu nennendes Opfer. Sie haben immerhin die Genugtuung, dass das MSV vor Duisburg lediglich als Kürzel für den alten Verein und registergerichtlich noch gültigen Meidericher Spielverein von 1902 steht.

Trainer Gyula Lorant stieg im übrigen vorzeitig aus seinem Vertrag aus, die Saison 1967/68 wurde mit einem positiven Punktekonto vom 36:32 auf Rang sieben beendet. Sein Nachfolger wurde Robert "Zapf Gebhardt, der Ende April 1968 seine Unterschrift leistete. Der Franke trat beim MSV kein leichtes Amt an. Nach den Transfers von Werner Krämer und Karl-Heinz Rühl erlitt der Verein durch den Wechsel Heinz van Haaren zum FC Schalke 04 einen weiteren herben Rückschlag. Mit dem schwarzhaarigen Spielgestalter ging der gr0ße Regisseur von Bord, und er hinterließ eine riesiege Lücke. Platz zwölf war die sportliche Bilanz.

Ein Jahr später, vor der Saison 1969/70 argwöhnte der kantige Franke Gebhardt, ein Mann mit rauher Schale, aber weichem Kern: "Das wird ein ganz schweres Meisterschaftsjahr für uns." Er verlor auch noch Nationalspieler Manfred Manglitz, dessen Strafraumkünste allenthalben gelobt wurden, an den 1. FC Köln und musste zudem auf den Dribbler Horst "Pille" Gecks verzichten, der sich in Richtung Offenbach veränderte. Das böse Abstiegsgespenst tauchte über der Wedau auf, aber es wurde durch einen knappen Erfolg im Heimspiel über den TSV München 1860, der seinerseits in den sauren Apfel des Abstiegs beißen musste, gerade noch einmal verscheucht. Der 14. Tabellenplatz verhieß die Rettung für den MSV.

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