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Die Geschichte des MSV
Die graue Maus ?
Saison 1970/71

In der Saison 73/74 musste der Verein eine schlimme Krise durchmachen, die schlimmste bis zu diesem Zeitpunkt. Nach sportlichen Misserfolgen, auch ausgelöst durch eine lange Kette von Verletzungen, gab es während des Spiels gegen die Kölner Fortunen den Höhepunkt der Kritik gegen den glücklosen Trainer, der sich auch mit einigen Spielern überworfen hatte. Die Fans forderten: "Faßnacht raus !" Die Niederlage im Wedaustadion, die die Abstiegsgefahr nur noch vergrößerte, und die Stimmung gegen ihn veranlassten den wortgewaltigen Coach, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Vom namenlosen SC Villingen war er zur Westender Straße gekommen und nach dreieinhalb Jahren verließ er sie mit tiefer Enttäuschung.

Als Feuerwehrmann gegen den drohenden Abstieg verpflichtete das MSV-Präsidium mit Wilhelm Tiefenbach und Heinz Neuhaus den jungen Trainer Willibert Kremer (s. rechts), der sich als langjähriger Spieler Verdienste erworben und mit der A-Jugend sportliche Erfolge bis hin zur deutschen Meisterschaft errungen hatte. Drei Jahre lang war Kremer Faßnachts Assistent gewesen, und als der Cheftrainer die Brocken hingeworfen hatte, schlug für den früheren Dauerläufer im Meidericher Team die erste große Stunde der Bewährung, der später viele weitere folgten.

Trainer Willibert Kremer


Nach wechselhaftem Saisonverlauf wurde durch Rudi Seligers Tor im Gelsenkirchener Parkstadion zum überaus wichtigen 1:0 Sieg über Schalke 04 der Klassenerhalt schon einen Spieltag vor Schluss der Meisterschaft errungen. Rang 15 vor dem Wuppertaler SV, Fortuna Köln und Hannover 96 bewahrte für ein weiteres Jahr die Duisburger Bundesligazugehörigkeit.

Im 13. Jahr in der Eliteliga gab es wieder einmal MSV-Schlagzeilen, und wieder ging es um den Trainer. Eine gute Siegesserie von neun ungeschlagenen Spielen wurde mit unerklärlichen Misserfolgen ausradiert, und die Hoffnungen auf eine erneute UEFA-Cup Teilnahme, ein Jahr zuvor durch das Erreichen des Pokalendspiels in Hannover gegen Eintracht Frankfurt erreicht, zerplatzten wie eine Seifenblase.

Willibert Kremers Vertrag lief am 30. Juni '76 aus, und Präsident Paul Märzheuser (s. rechts) gelang es im Präsidium nicht, eine klare Mehrheit für oder gegen den Trainer zu erzielen. Willibert Kremer reagierte im Zorn - und kündigte. Sein Assistent Rolf Schafstall führte die Meidericher Mannschaft in den restlichen Saisonspielen am Ende sicher durch die Abstiegsgefahr ans rettende Ufer des zehnten Tabellenplatzes.

v. links: Kuno Klötzer, Wilhelm Fasel und Paul Märzheuser


Dieser Verdienst war freilich für Schafstall (noch) nicht der Freibrief, in die Rolle des Cheftrainers zu schlüpfen. Das Präsidium suchte nach einem namhaften Coach, und als Paul Märzheuser, Heinz Neuhaus und Wolfram Weber in der katalanischen Metropole Barcelona um die Gunst des großen Hannes Weisweiler buhlten, vernahm es dir breite Öffentlichkeit mit Erstaunen.
Denn der MSV war längst mit dem keinesfalls schmeichelhaften Image einer "grauen Maus" behaftet, und das dieser Verein ausgerechnet Weisweiler verpflichten wollte, musste verblüffen. Weisweiler vernahm die Duisburger Offerte, wie er sagte, "mit Interesse", entschied sich aber für den 1. FC Köln.

Die Präsidiumswahl fiel schließlich auf Otto Knefler, der zuvor bei Borussia Dortmund vorzeitig ausgeschieden war, sich finanziell mit dem Westfalen arrangiert hatte und so zur freien Verfügung stand. Vor seinem Engagement beim MSV hatte der als preußisch korrekt geltende Trainer in Kaiserslautern, Braunschweig, Düsseldorf und Dortmund gute Arbeit geleistet.

Otto Knefler (s. rechts) und seine Mannschaft mit Kapitän Detlef Pirsig, dem österreichischen Regisseur Kurt Jara und Ronald Worm als Torjäger legte einen Saisonstart hin, wie er besser und erfolgreicher nicht sein konnte. 1:1 am Mönchengladbacher Böckelberg beim deutschen Meister und grandioser 5:2-Sieg über Bayern München - wer hätte das gedacht ?
Kneflers Problem bestand darin das neu gewonnene Selbstvertrauen zu schüren und aus den Kickerköpfen das gewohnte Mittelmaß zu vertreiben.

Trainer Otto Knefler
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