Die Bernhard Dietz Story


Er schaffte es bis zum Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft

Am 10. Mai'88 hatten die Duisburger Fußballfans nach einer Pause der Abstinenz vom besseren Fußball endlich wieder einmal ein Großereignis. Bernard Dietz, für die deutsche Nationalmannschaft 53mal im Einsatz gewesen und damit der international profilierteste MSV-Repräsentant, feierte in jener Arena seinen Abschied, in der er als unbedeutender Stürmer aus Bockum-Hövel seine ersten fußballerischen Schritte machte und später zum Star wurde.
25.000 Zuschauer füllten die Ränge, als Dietz seinen letzten Auftritt hatte. Sein ehemaliger
Mannschaftskollege Franz Beckenbauer, damals Teamchef der Nationalelf, hatte die Bitte des alten Gefährten nicht ausgeschlagen und war mit seinen Männern zum Abschiedsspiel gegen die DFB-Auswahl von 1980 angetreten, die Europameister geworden war. - mit Bernhard Dietz auf der linken Abwehrseite. Sie alle waren dabei, die alten Kameraden: Von Toni Schumacher im Tor über Hans-Peter Briegel bis hin zu Karl-Heinz Rummenigge. Und sogar Weltmeisterprominenz von 1954 schaute beim Abschiedsspiel zu: Fritz Walter, der legendäre Ehrenspielführer, musste im VIP-Raum des Stadions eifrig Autogramme schreiben. Als Bernhard Dietz seine letzte Ehrenrunde drehte, prasselte der Beifall der Fans auf ihn herab, für die er immer ein Liebling war.
Wenn von Spielern die Rede ist, die für den MSV auf der internationalen Bühne und im gleißenden Scheinwerferlicht am Ball waren, steht der kantige Westfale Dietz in der ersten Reihe. Franz Beckenbauer würdigte ihn als "feinen Kerl", der er immer gewesen sei - im
Kampf auf dem Platz und im Wesen. Der Name Dietz stand während seiner insgesamt 17 Bundesligajahre als Synonym für Ehrlichkeit, Tapferkeit, Teamgeist, Kampfkraft und sportlichen Erfolg. Es gab niemals negative Schlagzeilen über Bernhard Dietz, der eine markante Persönlichkeit des Ballgeschäftes war und der heute immer noch als Trainer, wenn auch auf bescheidener Ebene, im Gespräch ist. (Jugendaufbautrainer beim VFL Bochum)
Über Jahre hinweg leistete der Westfale im
Bundesligateam des MSV Besonderes. Monate für Monate zählte er Anfang der siebziger Jahre zu den herausragenden Spielern, die dem MSV ihren Stempel aufdrückten. Aber es dauerte schier endlos, bis er zu höheren Aufgaben berufen wurde. Sein erstes Länderspiel bestritt Dietz unter der Regie des Bundestrainers Helmut Schön am 22. November 1974 in La Valetta beim mühevollen 1:0 Sieg über Gastgeber Malta. 52 weitere Begegnungen im schwarz-weißem Trikot folgten, und als Dietz die Kapitänsbinde der Nationalelf von Torhüter Sepp Maier übernahm, da war er spätestens "wer" im deutschen Fußball.
Für Dietz, den Mann mit der Geradeaus-Mentalität, galten immer jene Begriffe wie Vereinstreue und Solidarität. An diese Grenze war er 1982 gestoßen, als es galt, den aus der Bundesliga abgestiegenen MSV in Richtung Schalke zu verlassen. Auch wenn er im nur einige Kilometer entfernten Gelsenkirchener Parkstadion für immerhin fünf weitere Jahre seine zweite Fußballheimat gefunden hatte. In und um Duisburg blieb er stets in bester Erinnerung. Und deshalb gab es für ihn überhaupt keine Überlegung, zum Abschiedsspiel ins Wedaustadion zu bitten. Und an jenen in aller Beziehung gelungenen Abend des 10. Mai '88 denkt Bernhard Dietz noch manches Mal zurück.
Dietz war jahrelanges Aushängeschild des MSV, dessen Namen findige Journalisten dazu benutzten, den Verein in
MSV Dietzburg umzutaufen. Und er stand doch über denen, die auch den Sprung in die Nationalmannschaft schafften. Ob der Torhüter Manfred Manglitz, die Stürmer Rudi Seliger, Klaus Wunder oder Ronald Worm, die Verteidiger Michael Bella und Hartmut Heidemann, auch ein Mann wie "Eia" Krämer- an den Beliebtheitsgrad des Bernard Dietz kam keiner von ihnen ganz heran.
Als die Entscheidung über den Bundesligaaufstieg 1991 eingeläutet wurde, als das letzte Spiel gegen Blau-Weiß 90 Berlin die letzten Zweifel an ihm beseitigen sollte, da war Bernard Dietz unter den 28.000 Zuschauern im Stadion.
Auch heute noch im Jahre 1997 ist Bernard Dietz derjenige, der z.B. bei TV-Übertragungen aus dem Wedaustadion, den MSV präsentiert.
 

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