Mit Werner Krämer fing alles an


Spielerverkäufe sorgten immer dafür, das finanzielle Löcher gestopft wurden

All' jene, die es ja immer schon gewußt hatten, konnten sich auf die eigene Schulter klopfen und fortan von sich behaupten, Experte zu sein. Dabei war es beileibe keine Kunst und es bedurfte auch keiner ausgeprägten Sachkenntnis, den Duisburger Bundesliga-Abstieg vorherzusagen. Er kam zwangsläufig, war eingepaßt in die Kette der Ausweglosigkeit. Wie oft hatte der MSV in der Zeit nach 1963, da er als bescheidener Meidericher SV in die Elite der ersten Bundesligavereine aufgenommen wurde, mit dem Rücken zur Wand gestanden, wie oft war den Vereinsfunktionären auf dem schmalen Grat zwischen Überleben und Sturz ins Ungewisse schwindelig geworden.
Das permanente Problem lag stets im finanziellen Bereich. Die Folgen waren Spielerverkäufe. Im Laufe der Zeit wurden MSV-Kicker innerhalb der Bundesliga für mehr als 20 Millionen Mark transferiert. Werner Krämer machte einst den Anfang. Zwischen seinem Verkauf zum Hamburger SV und dem Coup mit Roland Wohlfarth zu Bayern München lagen circa zwei Jahrzehnte. Für Krämer gab es die heute lächerlich geringe Ablösesumme von 175.000 Mark, für Wohlfarth eine Million.
Viele der besten Leistungsträger setzten anderenorts ihre Karriere fort. Einige Namen:
Klaus Wunder wechselte zu Bayern München, Werner Schneider zu Borussia Dortmund, Dietmar Jakobs zum Hamburger SV, Paul Steiner zum 1. FC Köln, Ronni Worm zu Eintracht Braunschweig, Thomas Kempe zum VFB Stuttgart, Kurt Jara und Bernard Dietz zu Schalke 04. Spieler wie Hannes Linssen, Dieter Minegg, Frank Saborowski, Guido Szesni, Werner Buttgereit, Norbert Dronia, Norbert Fruck, Kees Bregmann, Klaus Bruckmann oder Theo Büker brachten auch jeweils rund 350.000 Mark in die Kasse. Dieser Transfer war auch notwendig, und ebnete mit den Weg zur Konsolidierung: Thomas Strunz wechselte als Amateurspieler für eine nie genannte Summe zum FC Bayern. Soviel ist sicher: Den Münchnern hat das Geld, das sie für Strunz auf den Tisch legten, nie leid getan. Wenn es auch eine Million war - der Steigerungswert des zum Nationalspieler aufgestiegenen Duisburgers stellte für den FC Bayern eine ausgesprochen gute Rendite dar. Daß Thomas Strunz es war, der als einziger aus der verkauften Garde noch am 16. Juni '91 bei der Aufstiegsfeier im Homberger Hotel "Rheingarten" anrief und zum Sprung in die Bundesliga gratulierte, war bezeichnend. "Tommy" hatte den Kontakt zum MSV, speziell zu seinem Trauzeugen Patrick Notthoff, nie abreißen lassen. Aus der neueren Zeit ist sicherlich Michael Tarnat zu nennen.
Es hat so manche "Mannschaftsaufstellungen" der verkauften Spieler gegeben: Hier ist auch eine:
de Beer - Jakobs - Schneider, Steiner, Dietz - Strunz, Tarnat, Kempe, Jara - Worm, Wohlfarth
 

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