UEFA-CUP


In den Analen des MSV haben die Auftritte im auch damals schon lukrativen UEFA-Cupwettbewerb naturgemäß einen besonderen Platz. Zweimal war eine Duisburger Mannschaft auf der Bühne des internationalen Fußballs vertreten, 1975 und drei Jahre später. Der erste Ausflug ins attraktive UEFA-Cupgeschäft endete schnell und schon in der zweiten Runde, beim zweiten ging es bis zum Halbfinale. Und das war der größte Vereinserfolg.
Die Pokalniederlage im Endspiel '75 gegen die Frankfurter Eintracht hatte - und das war schon vorher klar - für den Verlierer die erfreuliche Konsequenz, am internationalen Wettbewerb teilnehmen zu können. Mit den Inselgriechen von Enosis Neon Paralimnis wurde dem MSV ein Gegner für die erste Runde zugelost, der nicht den Status erheben konnte, fußballerisch auch nur annähernd ebenbürtig zu sein. Mit 7:1 und einem 3:2 im "Rückspiel" im Oberhausener Niederrheinstadion - die Cyprioten hatten ihr Heimrecht für eine Garantiesumme von 5.000,- DM abgetreten - wurde die zweite Runde erreicht.
Das Züricher Los bestimmte den starken bulgarischen Vertreter Levski Spartak Sofia zum Gegner. Vor 28.000 Zuschauern entwickelte sich im Wedaustadion ein mitreißendes Spiel, das der MSV nach zweimaligen Rückständen am Ende mit 3:2 für sich entscheiden konnte.
Torhüter Dietmar Linders hatte bei diesem Spiel nicht gerade seinen besten Tag.
Die beiden Auswärtstore der Bulgaren sollten sich beim Rückspiel im Nationalstadion der Hauptstadt Sofia als entscheidend herausstellen. Bis neun Minuten vor dem Ende der überaus hektischen Partie hieß es 1:1, das dem MSV gereicht hätte, eine Runde weiterzukommen. Dann aber belastete der dem Spiel nicht gewachsene maltesische Schiedsrichter Birguglio die Duisburger Mannschaft mit einem zu Unrecht diktierten Freistoß kurz vor der Strafraumgrenze, als
Detlev Pirsig vom Levski-Torjäger Jordanov von hinten in brutaler Art gefoult wurde und der Schwarzkittel aus Malta unverständlicherweise Freistoß für Sofia gab. Ein Handspiel von Bernhard Dietz und ein dann berechtigter Elfmeter waren die Folge. Sofia siegte 2:1, und das zweite bulgarische Tor in der Schlußphase war aus Sicht des MSV eins zuviel. Die mehr geschossenen Auswärtstreffer sprachen in der Bilanz für Levski Spartak. Im Mannschaftsbus heulten die Duisburger Spieler vor Wut - auf den Schiedsrichter war keiner von ihnen gut zu sprechen.
Drei Jahre später feierte der MSV durch den sechsten Bundesligaplatz erneut den Einzug in den UEFA-Cupwettbewerb. Die erste Hürde hieß Lech Posen, und sie war nicht hoch genug für die Duisburger Mannschaft, die 5:0 im Wedaustadion und 5:2 in Polen siegte. Hoch über den Wolken plauderte der damalige Präsident Paul Märzheuser mit den mitgereisten Duisburger Journalisten darüber, daß das zu erwartende finanzielle Zubrot in neue Spieler investiert werden sollte, was natürlich nicht eintraf.
In der zweiten Runde kam es zur deutsch-deutschen Begegnung mit dem FC Carl Zeiss Jena. Im Ernst-Abbe-Stadion von Jena mußte der MSV anderthalb Stunden zittern und sich vieler Angriffe der gegnerischen Mannschaft erwehren, bis das torlose Unentschieden Bestand hatte. Beim Rückspiel warteten die 27.000 Zuschauer im Wedaustadion 98 Minuten lang auf ein Tor, das in einer rassigen Begegnung von Bernhard Dietz dann erzielt wurde und wie eine Erlösung war. Der Österreicher
Kurt Jara erhöht auf 2:0, Norbert Fruck schaffte das Endergebnis.
Im Achtelfinale ging es ins Elsaß. Racing Straßburg mit Trainer Gilbert Gress lauerte auf eine Chance, gegen die namenlosen Duisburger eine Runde weiterzukommen. Das 0:0 in Straßburg eröffnete dem MSV eine gute Chance, die beim Rückspiel vor diesmal 22.000 Besuchern mit 4:0 glänzend genutzt wurde. Günter Weber (2), Ronald Worm und Norbert Fruck erzielten die Tore.
Honved Budapest baute sich im Viertelfinale dann vor dem MSV auf. Trainer Rolf Schafstall atmete nach 90 Minuten im berühmten Nepstadion auf, weil seine Stürmer-Asse
Roland Worm (2) und Rudi Seliger den 3:2 Sieg möglich machen. Das es im Rückspiel vor 25.000 Zuschauern im Wedaustadion nach der 1:2 Niederlage beim Gegentor von Herbert Büssers eine sportliche Enttäuschung gab, wurde durch den Sprung ins Halbfinale mehr als ausgeglichen. Die drei Treffer in Budapest hatten den Ausschlag gegeben, diesmal zu Gunsten der Duisburger.
Die mußten im Semifinale im reinen Bundesligaduell mit Udo Latteks Mönchengladbacher Borussia um den Einzug in die Endspiele kämpfen. Der MSV hatte zunächst Heimrecht und führte vor 28.000 Fans zweimal durch Ronni Worm und Norbert Fruck, der sich als UEFA-Cup Torschütze vom Dienst erwies. Alan Simonsen, der kleine, große Däne und Lausen glichen für die Elf vom Bökelberg aus. Beim Rückspiel in Mönchengladbach ließ die Borussia beim 4:1 Sieg nichts mehr anbrennen. Ewald Lienen, in Duisburg fußballerisch später seßhaft geworden und einer der Garanten für den
Bundesligawiederaufstieg 1991, besiegelte mit seinem Tor zum 4:1 die Niederlage des MSV. Aber das Erreichen des Halbfinales war ein Riesenerfolg und fand in der Duisburger Vereinsgeschichte einen gebührenden Platz.
 

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