Stammsitz Westender Straße - Appell an
die Müden - Fußballer und Turner schaffen 30.000-Leute-Stadion
- Finanzmittel durch "Jahrhundert-Transfer" -
Entwicklung tendiert zum Sportpark
Das Acker- und Wiesengelände im Winkel der Westender-
und Dennewitzstraße um den Ratingsee ist vom ersten Tag
der Vereinsgründung an sportliche Heimat des Meidericher
Spielvereins. Grund und Boden pachtet er schließlich von
der Zeche Westende und richtet in Eigenarbeit einen Fußballplatz
her. Es ist eine einfache Anlage ohne Einbeziehung heute
selbstverständlicher Zuschauerränge. Die vom Platz
gegenüberliegende Zechenhalde von Westende entwickelt
sich von selbst zur "natürlichen"
Zuschauertribüne, die den Besucher von Spielen
vortreffliche Sitzmöglichkeiten bietet.
Ein großzügiger Ausbau bahnt sich nach dem 1. Weltkrieg
an. Fusioniert mit dem Meidericher Turnverein von 1880,
gewinnen die Aktivitäten an Gewicht. Der Turnverein,
bereits vor dem Krieg mit Plänen einer eigenen
Platzanlage beschäftigt, sieht in dem Zusammenschluß
mit dem Spielverein eine besonders günstige Chance,
seinen alten Traum zu verwirklichen. Im Mai 1921 wird ein
Pachtvertrag mit den Landwirten zur Übernahme des 21
Morgen großen Geländes an der Westender Straße,
unmittelbar angrenzend an die Platzanlage des
Spielvereins, gepachtet. Die Ausbaukonzeption ist für
die damaligen Verhältnisse bemerkenswert. Vorgesehen
sind auf den nun insgesamt 25 Morgen umfassenden Gelände
ein großer Wettkampfplatz mit einem Fassungsvermögen für
30.000 Zuschauer, drei weitere Plätze für Fußball und
Hockey, acht Tennis und Turnplätze. Licht- und Luftbad
sind für später geplant. Im
Juli 1921 wird mit den Arbeiten begonnen. Zunächst wird
die Anlage mit einer Betonmauer umfriedet. Die Arbeiten
schreiten zügig voran. Bereits im darauffolgenden Jahr können
die Anlagen benutzt werden. Allerdings: Ehe es soweit ist,
bedarf es noch mancher Anstrengungen. Der Vorstand muss sich um Geldspenden der Mitglieder und auch der
heimischen Wirtschaft bemühen. Und er hat seine liebe
Not, die Mitglieder zu eigenhändiger Arbeit anzuhalten.
Vorsitzender Heinrich Kirsch, der bisher die Geschicke
des Turnvereins geleitet hatte und nunmehr Chef des
Gesamtvereins ist, sieht sich auf der Vereinsversammlung
am 28. Juli 1928 veranlasst, die Müden und Gleichgültigen
wachzurütteln. Zwischen ihm und seinen Vorstandskollegen
Jean Fix kommt es zu Meinungsverschiedenheiten über die
Finanzierung. Die Inflation galoppiert in
schwindelerregendem Tempo. Jean Fix, der
Tiefbauunternehmer, plädiert für die Erledigung der
finanziellen Verpflichtungen über Wechsel, der
vorsichtige Rechnungsdirektor der Stadt, Heinrich Kirsch,
will den soliden Weg, also keine Geschäfte mit Wechseln,
die ihm zu unsicher und unseriös erscheinen. Aber man
findet Kompromisse. Die Anlage ist bald Realität.
Die nächste bedeutende Etappe der Anlagen-Erweiterung
entwickelt sich 1973/74. Die Stadt übernimmt das Areal
als Bezirkssportanlage unter vornehmlichem Nutzungsrecht
des MSV, der seinerseits bereits die vorhandenen
Umkleideräume großzügig ausbaute und ein
sportmedizinisch vorbildliches Zentrum geschaffen hat.
Zur Verfügung stehen zwei Rasenplätze (einer davon mit
400 Meter-Laufbahn), zwei Tennisplätze, ein Hockeyplatz
(Rasen) und ein kleiner Übungsplatz. Das alte Klubhaus,
mittlerweile aufgegeben, soll nach dem neuesten
Erkenntnisstand völlig abgerissen und auf keinen Fall
wieder aufgebaut werden. Das ehemalige Klubhaus des
Meidericher Tischtennis-Clubs, inzwischen im Besitz des
MSV, ist zur Geschäftsstelle und behaglicher Klubgaststätte
um- und ausgebaut. Der "Jahrhundert-Transfer"
der Fußballspieler Klaus Wunder (zu Bayern München) und
Hannes Linssen (zu Fortuna Köln) bringt 1974 über eine
Million Mark in die MSV-Kasse und macht es dem Klub
leichter, das Vorhaben zu finanzieren.
Die Umsiedlung des Meidericher Tennisclubs 03 in dieses
Gelände wird das Angebot für Tennisinteressierte
erweitern. Eine Tennishalle ist vorgesehen. im Anschluss an das benachbarte Theodor-Heuss-Gymnasium ist eine große
Sporthalle mit einem für alle anderen Sportler nutzbaren
Umkleidetrakt geplant. Das in das Areal einbezogene,
bereits vorhandene Hallenbad soll durch ein Freibad (schon
eine Idee des Meidericher Turnvereins) ergänzt werden.
Die Zukunft der Bezirkssportanlage, deren Kernstück die
MSV-Anlagen sind, verspricht die Entwicklung zu einem
Sportpark attraktiven Zuschnitts.
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