Seine Stimme kennt jeder, der in den
letzten 29 Jahren das Wedau-Stadion bei einem Zebra-Heimspiel
besucht hat. Doch viel mehr weiß kaum einer über Günter
Stork, seines Zeichens Stadionsprecher an der Wedau. Und
der 70-jährige ist darüber nicht einmal sehr traurig.
"Ich will mich
ja nicht selbst in darstellen, ich möchte dem Verein
helfen," gibt sich der gebürtige Hamborner, der
heute im benachbarten Hünxe lebt, bescheiden. Dabei gilt
Stork längst als ein alter Hase auf seinem Gebiet.
Nicht nur, daß er
seit fast drei Jahrzehnten bei fast keinem Heimspiel in
der MSV-Sprecherkabine gefehlt hat ("Ich lege meinen
Urlaub immer so, daß ich höchstens ein Spiel pro Saison
versäume"); vielmehr sammelte Stork zuvor bereits
zehn Jahre lang Sprecher-Erfahrungen für Hamborn 07 im
Thyssen-und Schwelgern-Stadion. Aber auch für die Düsseldorfer
Fortuna oder Bayer Uerdingen hat Stork schon mal
gesprochen - vertretungsweise, versteht sich.
Bekannt ist der MSV-Sprecher
unter den Zebra-Fans vor allem für seine flotten Sprüche,
mit denen er auch kleinen Randerscheinungen im
Stadionrund bisweilen Unterhaltsames abzugewinnen weiß.
So auch mit der Fundsachen-Durchsage: "Die Dame mit
der Scheckkarten-Nummer ... möchte uns bitte ihre
Schecks übergeben, die Karte haben wir schon..."
Nicht immer freilich
sind Durchsagen dieser Art angesagt. Stork: " Das
ist alles eine Frage der Situation. Wenn der MSV hinten
liegt, kommen solche Sprüche nicht gut an." Und
Kommentare zum Spiel gehen dem Sprecher, der sich nur um
Dinge rund ums Spielfeld zu kümmern hat, schon gar nicht
über die Lippen. "Da muß man aufpassen, vergrault
vielleicht sogar den Schiedsrichter, der dann nur noch
contra MSV pfeift. Etwas Psychologie ist da schon im
Spiel," weiß Stork.
Nicht die Begeisterung fürs runde Leder brachte Günter Stork aber
zu seinem Ehrenamt. Der Beginn der Sprecherkarriere liegt
vielmehr weit zurück in dunklen Kriegszeiten, als der
heute 70jährige als junger Soldat im fernen Russland so
stark verwundet wurde, daß man ihn nach seiner Genesung
zu einer anderen Kompanie ins griechische Saloniki
brachte.
"Da fand ein
bunter Abend statt und ich hatte das Glück, die
verbindenden Worte zum Programm sprechen zu dürfen.
Dabei wurde man auf mich aufmerksam und ich kam zum
Soldatensender Saloniki." Das war für Stork der
Beginn einer, wenn auch nur vorrübergehenden
Moderatorentätigkeit, für die er bei "Radio-Belgrad",
damals Stammsitz der "Soldatensendergruppe Süd-Ost",
sogar eine richtige Ausbildung bekam.
Zurück im zivilen Leben moderierte Stork dann in Marxloh einen bunten Abend
und wurde prompt als Sprecher für die Hamborner Löwen
gewonnen. Beruflich aber wollte er seine Wortgewandtheit
nie nutzen. "Da hatte ich's mehr mit der Werbung,"
gesteht der MSV-Sprecher, der sich an der hessischen
Kunst- und Werbeakademie in Darmstadt zum Werbeberater
ausbilden ließ.
Seither hat er von
der edlen Konfitüre bis zur gesunden Reformhausmargarine
schon zahlreiche Konsumgüter werbewirksam unters Volk
gebracht. Übrigens: auch die Idee zu einem
stadtbekannten "Teppichriesen" stammt aus
seiner Feder, wie Stork nicht ohne stolz erzählt.
Und wie lange will
der 70jährige seinen Platz in der Sprecherkabine noch
behalten? Da mag er sich nicht so genau festlegen: "Ich
mache meine Arbeit so lange, bis man einem Jüngeren die
Chance gibt. Solange keiner da ist, mache ich weiter."
Letzter Update dieser Seite:
01.01.1999 von Mike Härle, Lucky-Zebras 97
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