Als die Zebras 1996 wieder in die oberste
Spielklasse zurückkehrten, stand die Vereinsführung vor
der schwierigen Aufgabe, trotz fehlender finanzieller
Mittel die Mannschaft so zu verstärken, daß das
Fahrstuhlsyndrom endlich abgelegt werden konnte. Eine
sehr schwierige Aufgabe. Der damalige Präsident
Fischdick und FF verpflichteten in dieser Situation
Michael Zeyer vom Zweitligaabsteiger Waldhof Mannheim als
Regisseur, was zunächst nicht den ungeteilten Beifall
fand und viel Skepsis hervorrief. Ein Spieler, der vom
Waldhof-Trainer Schlappner aufs Abstellgleis befördert
wurde sollte helfen, den potentiellen Absteiger in der
Bundesliga zu etablieren? Die Beharrlichkeit der
Verantwortlichen und vor allem Michael Zeyer selbst, der
den Spitznamen Zico (zurecht!) erhielt belehrten uns aber
auf eindrucksvolle Weise eines Besseren! Zico wurde zum
unverzichtbaren Lenker im Zebra-Mittelfeld, was sich
nicht nur dadurch belegen lässt, daß er 84 von 86
Pflichtspielen absolvierte. Durch ungeheuren Laufaufwand
und feines Gespür für den freistehenden Mitspieler prägte
er in dieser Zeit das Spiel unserer Zebras, oftmals zu
uneigennützig, was sich in seiner geringen Torausbeute
wiederspiegelt. Aber die wenigen Tore waren dafür
oftmals von außergewöhnlicher Art, erinnert sei hier
nur an das herrliche 1 : 0 im Pokalkrimi zu Trier und
Zico zeigte sich dafür vom Elfmeterpunkt als sicherer
und nervenstarker Schütze: von 7 Strafstössen
verwandelte er deren 6, nur bei der unvergessenen 4 : 5
Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach fand er in
Kamps seinen Meister. Im Februar gab Zico dann seinen
Wechsel zum VfB Stuttgart bekannt, was uns alle sehr
betroffen machte, wir hatten eigentlich immer damit
gerechnet, daß Michael Zeyer uns auch die nächsten
Jahre erhalten bliebe, doch die zögerliche
Verhandlungstaktik seitens des MSV ließ in das Angebot
des VfB annehmen, obwohl zum Schluß die Konditionen
seitens der Zebras identisch mit denen der Schwaben
gewesen sein sollen. Schade, aber in diesem Falle hätten
die Verantwortlichen Michael nicht so lange hinhalten dürfen!
Zico, ein außergewöhnlicher
Mensch? Zweifelsohne, allein seine Erscheinung ist Beleg
dafür. Anachronistisch anmutende lange Haare, die eher
in Südamerika als im Ruhrpott anzusiedeln sind und während
des Spiels von einem Stirnband aus dem Gesicht gehalten
wurden, dazu das linke Handgelenk mit einem einfachen
Lederband geschmückt. Bei seinem Abschied in Duisburg
nach dem Pokalfinale brachen nicht nur junge weibliche
Fans in Tränen aus, LZ Indra Sickmann liess es sich
nicht nehmen, Zico mit eigens angefertigtem Photoalbum
gen Süden zu verabschieden. Mir persönlich bleibt
Michael als offener, herzlicher und humorvoller Mensch in
Erinnerung, mit dem ich mich jederzeit unterhalten konnte
und vielleicht gelingt es mir aufgrund der geringeren
geographischen Distanz, mit ihm in Kontakt zu bleiben,
aber ich muss gestehen, ich fahre lieber an den Rhein als
an den Neckar. Unvergessen seine Statements vor laufender
Kamera in tiefstem schwäbisch, er hat seine Heimat
diesbezüglich nie verleugnet. Außergewöhnlich auch, daß
er nie mit dem Auto, sondern mit dem ÖPNV von Düsseldorf
nach Duisburg zu seiner Arbeitsstätte fuhr, zusammen mit
Niklas Skoog und Uwe Spiess nutzte er das "53-Mann-Taxi"
für seine Dienstfahrten, ich sah ihn nur einmal mit
einem Kleinwagen mit Freiburger Kennzeichen am
Wedaustadion. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn
Michael Zeyer sich in Duisburg sehr wohl gefühlt hat und
nach 2 Jahren nicht ohne Wehmut seine Zelte in Duisburg
abbricht. "Es waren zwei wunderbare Jahre, die ich
nicht vergessen werde. Für die Begeisterung und Unterstützung
der treuen Fans möchte ich mich auf diesem Wege nochmals
ausdrücklich bedanken."
(Zitat Revier-Sport v. 31.05.1998,
Seite 9) Obwohl Zicos
Weggang sicher schmerzlich ist, wir sollten den Blick
nach vorne richten, Michaels Rolle wird ja in den
kommenden 2 Jahren von dem international schon sehr
erfahrenen Lubomir Moravczik bekleidet, ein neuer
Regisseur, ein neuer Stil im Zebra-Mittelfeld, jeder
Regisseur interpretiert diese Rolle naturgemäß auf
seine Weise. Deswegen sollten wir auch keine
pessimistischen Gedanken hegen, Michael Zeyer beurteilt
die Zukunft der Zebras nämlich auch durchaus positiv:
"Der MSV hat sich für die nächste Saison schon gut
verstärkt. In etwa zwei Jahren könnte der Klub soweit
sein, daß es mal mit einem Titelgewinn klappt. Aus
Berlin kann man ja nur lernen. Vielleicht gelingt es auch
schon früher. Ich würde es Duisburg sehr gönnen."
(Zitat Revier-Sport v. 31.05.1998,
Seite 9) Zum Abschluß
möchten wir uns alle bei Dir Michael Zeyer für 2
wunderschöne Jahre in der MSV-Gemeinschaft bedanken und
Dir für die Zukunft, auch später in der elterlichen
Maschinenbaufabrik in Heidenheim alles Gute wünschen. Du
wirst uns stets in ausgezeichneter Erinnerung bleiben!
wird
fortgesetzt........
Letzter Update
dieser Seite: 18.06.1998 von Mike Härle und Klaus Reiwer
(Lucky-Zebras '97)
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